Vollendet das ewige Werk?

Wien Wagner: Das Rheingold

Opernwelt - Logo

Ein Trompe l’oreille ist diese Musik, nur scheinbar glanzvoll die Regenbogenbrücke am Schluss des «Rheingold». «Falsch und feig ist, was dort oben sich freut», klagen denn auch die Rheintöchter. Und selbst das Heldenmotiv (in Wien am Premierenabend im Übereifer ein wenig verzerrt) strahlt nur vermeintlich. Wotans «großer Gedanke» – eine Schimäre. An dieser Stelle passiert einer der suggestivsten szenischen Momente in Sven-Eric Bechtolfs Inszenierung: Hinter Wotans Rücken spielt Loge mit zwei goldenen Puppenköpfen, die er aus Mimes Werkstatt entwendet hat.

Homunculi, Klons aus Gold, auf die Alberich seine neue Welt wohl hatte bauen wollen. Wie ein Senfkorn trägt dieses Bild das weitere Geschehen des «Ring» in sich: die Künstlichkeit von Wotans Konstruktionen, die Verblendung, das Scheitern.
Auf das Wissen des Zusehers um dieses Scheitern baut der neue Wiener «Ring» – daher «Das Rheingold» als nunmehr letzte Premiere. Um die Handlung des Vorabends wirklich zu verstehen, so Dirigent Franz Welser-Möst, müsse das Publikum die Erfahrungen der weiteren drei Teile bereits gemacht haben. Zu diesen Erfahrungen gehört, dass der Zyklus in Wien vor allem musikalisch überzeugt. Welser-Mösts ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Frauenbilder

Das schöne, wilde Tier reizt unablässig Theater und Regisseure. Direkt nach Calixto Bieitos exzessiver Strip- und Seelenorgie in Basel folgten zwei weitere Inszenierungen: an der Opéra de Lyon und am Staatstheater Wiesbaden, wo «Lulu» anspruchsvoll die Maifestspiele eröffnete.
Im Vergleich der Aufführungen könnte man sagen: Mit Bergs «Lulu», die natürlich auch...

Im falschen Film

«Lohengrin» hat gegenwärtig Konjunktur (siehe OW 5/2009). Zwischen den beiden Extremen, Stefan Herheims überbordender und das Stück wohl auch überfordernder Assoziationsfülle in Berlin und Stanislas Nordeys visionärer Askese (oder was davon in Stuttgart übrig blieb), hat sich Jens-Daniel Herzog in Frankfurt für den Mittelweg, die realistische, die psychologische...

Echter Fund

Saverio Mercadantes 1850 entstandene Tragedia lirica «Virginia» stand schon lange auf der Wunschliste des Schatzsucher-Teams von Opera Rara: Die Auftrittsarie des Schurken Appio war bereits vor zwölf Jahren Teil eines Recitals, das der damalige Haustenor Bruce Ford für das englische Spezialisten-Label einspielte.
In der Aufnahme, die nun als dritte...