Ewiges Elend
Im vergangenen Jahr arbeitete die Nationaloper Lviv an der Grenze des menschlich Möglichen. Trotz zahlloser Unterbrechungen durch Sirenen und Stromausfälle brachte sie mehrere Neuproduktionen auf die Bühne des zum UNESCO-Welterbe zählenden Hauses. «Das ist unsere Frontlinie», sagen ukrainische Künstlerinnen und Künstler. Die letzte dieser Premieren mit dem Titel «Erkenne dich selbst» war dem ukrainischen Wanderphilosophen Hryhorij Skovoroda gewidmet. Das anlässlich seines 300.
Geburtstags aufgeführte Ballett mit der Musik des zeitgenössischen Komponisten Dmytro Danov basierte auf einer Idee des Intendanten und Initiatoren des Kunstprojekts «Ukrainischer Durchbruch», Vasyl Vovkun.
Zuvor gab es – auch dank tatkräftiger finanzieller Unterstützung durch das Goethe-Institut – die Neuinszenierung der Oper «Die schreckliche Rache» von Jewhen Stankowytsch. Das Bühnenwerk basiert auf einer Novelle von Mykola Gogol. In dieser Geschichte eines Brudermords stellt Gogol die Ukraine als gelobtes Land dar. Als Gottes Stellvertreter erzählt der Richter, wie der neidische Pjetro seinen Bruder Ivan und dessen Kind tötete. Beim jüngsten Gericht bittet Ivan nun zu Gott, er möge Pjetros Nachkommen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2023
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Adelina Yefimenko
Zwei Wochen nachdem Peter Konwitschny in Linz Verdis wegen ihrer angeblich krausen Handlung eher selten gespielte Oper «La forza del destino» auf bare 90 Minuten skelettiert hatte (OW 3/2023), präsentierte Lorenzo Fioroni in Saarbrücken das Melodramma in erschlagender Vollständigkeit. Gespielt wurde die Mailänder Zweitfassung aus dem Jahr 1869. Es war ein langer,...
Prinz Harrys Enthüllungen der Sauereien im englischen Königshaus wirken fast wie das Greinen eines beleidigten Kindes im Vergleich zu dem Anblick, der sich uns am Beginn der Ouvertüre von Donizettis «Roberto Devereux» bietet. Auf der Bühne liegt die enthauptete Anne Boleyn in einer Blutlache, ihr Henker steht noch mit gezücktem Degen vor der Leiche; im Hintergrund...
Am Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine eine Oper, die vor dem Hintergrund der Eroberungsfeldzüge Ivans des Schrecklichen spielt: Georges Bizets «Ivan IV» aus der ersten Hälfte der 1860er-Jahre war ein lange Zeit glückloses Werk. Aufführungspläne scheiterten, der fünfte Akt blieb unfertig. Der bedeutende Bizet-Biograf Winton Dean stampfte das Libretto...
