Die barocke Nähmaschine läuft

Das Teatro Real in Madrid bringt Francesco Corsellis «Achille in Sciro» heraus

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Es war ein politisches Großereignis, als Maria Theresia, Infantin von Spanien, Louis, den Dauphin von Frankreich, heiratete, Ende 1744 in Madrid wie Anfang 1745 in Versailles. Obwohl zum ersten Termin noch der Ehemann fehlte, weil Louis sich, was nicht unüblich war, bei seiner eigenen Hochzeit vertreten ließ: An der Repräsentation wurde nicht gespart, mithin auch nicht an der Oper.

 

Also vertonte Francesco Corselli, Kapellmeister der spanischen Hofkapelle, erneut Pietro Metastasios «Achille in Sciro», geschrieben acht Jahre zuvor für die Hochzeit einer bekannteren Maria Theresia – nämlich der von Österreich. Weithin populärer ist auch die Oper, die das endlich vereinte Brautpaar zwei Monate später in Versailles zu hören bekam: Jean-Philippe Rameaus «Platée», darin eine hässliche Nymphe, gespielt von einem Tenor in Frauenkleidern, aus den Sümpfen dahergelaufen kam. Dass Jupiter höchstpersönlich eine Scheinehe mit ihr einging, dürfte den Abend für die spanische Infantin wohl kaum amüsanter gemacht haben. Schließlich wurde die Handlung allgemein als Anspielung darauf verstanden, dass der französische Thronfolger sie eher aus politischen denn aus optischen Gründen geheiratet hatte. ...

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Opernwelt April 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht

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