«Es wird immer eine Melodie»
Während der 1960er- und 1970er-Jahre wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Kunstform Oper von ihren Fundamentalkritikern als zu lebensfern und teuer gebrandmarkt. Reaktionär, schon gar nicht gesellschaftsrelevant und den freien Künstlerinnen und Künstlern die Subventionen stehlend sei das Ganze – so lautete die Dauerkritik aus der politisch linken, respektive dann links -alternativen Szene, die beharrlich und ziemlich lautstark ihr auskömmliches Stück vom öffentlichen Kunstsubventionskuchen einforderte.
Kollektivwerke, so beispielsweise die als «moralisch» titulierte Oper «reconstructie» (1969) von Louis Andriessen, Reinbert de Leuuw und drei weiteren niederländischen Komponisten, sollten die stark kapitalismusverdächtige Arbeitsteilung überwinden und der Gattung frische, vor allem niedrigschwellige Impulse geben.
Der Betrieb reagierte darauf – auch dank des eingeschlagenen «Wegs durch die Instanzen» – überraschend entspannt und rasch, stellte die entsprechenden Finanzmittel generös zur Verfügung und kreierte neue Veranstaltungsformate, beispielsweise die Kammeroper. Studiobühnen wie die Musiktheater-Werkstätten von Carla Henius boten den entsprechenden künstlerischen ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Essay, Seite 70
von Achim Heidenreich
Beim Stichwort «Grüner Hügel» denken Opernkundige natürlich sofort an Bayreuth und die Richard-Wagner-Festspiele. Dabei gibt es noch ein weiteres großes Opernfestival in der süddeutschen Provinz, das auf einem grünen Hügel spielt: Das Immling Festival, das in der Nähe von Bad Endorf im Chiemgau in diesem Sommer immerhin auch schon zum 30. Mal stattfindet. Gespielt...
Neues im Musiktheater ist seltsam auf Vergangenes bezogen: In der Oper werden ja meist historische Stücke aufgeführt. Allerdings wäre es falsch, Oper zu einem Museum zu erklären, denn die Stücke finden ja jetzt statt, werden heute auf Zeitgenossenschaft abgeklopft. Diese paradoxe Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart ist ein Wesenskern der Oper.
Opern sind...
Ob er den Roman kennt? Es steht zu vermuten. Dessen Protagonist John Franklin liegt ihm nahe, dieser seltsame Polarforscher, der sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen lässt und schließlich genau dadurch zum Ziel gelangt. Sten Nadolnys fiktive Geschichte dieses Mannes wurde unter dem Titel «Die Entdeckung der Langsamkeit» 1983 zu einem Bestseller,...
