«Es treibt mich»
Ein Essay über «Mendelssohn und die Oper» könnte knapp ausfallen, ja wäre letztlich uninteressant, hielte man sich – wie dies im Falle der Instrumentalkompositionen, Oratorien oder Lieder selbstverständlich ist – an das Faktische: an Opern, die vollendet und von Mendelssohn der Nagelprobe des öffentlichen Urteils ausgesetzt worden sind. Man hätte es mit lediglich einem einzigen Werk zu tun: dem im April 1827 im Berliner Schauspielhaus uraufgeführten Singspiel Die Hochzeit des Camacho.
Diese erste und letztlich einzige Oper, komponiert im Alter von sechzehn Jahren1, trug, vertraut man dem Urteil Eduard Devrients, alle Züge eines «Knabenwerks»2 und wurde ein «Flop». Mendelssohn selbst war so enttäuscht, dass er noch «vor Schluß der Vorstellung davonlief».3 Dieser bescheidenen Bilanz im Bereich des operngeschichtlich Faktischen steht nun das erstaunliche Phänomen gegenüber, dass Mendelssohn seit frühester Kindheit eine Reihe zumeist kleinerer Opern offenbar mit Vergnügen aus Anlass von Familienfesten komponiert und in privatem Rahmen zu Gehör gebracht hat, dass er bis an das Ende seines Lebens immer wieder fest entschlossen war, sich der Oper zuzuwenden, und dementsprechend ...
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