Pionierarbeit
Dass einer über Musik schreibt und doch das Ganze der Gesellschaft im Auge behält, ja, dass es ihm darum zu tun ist, auch in der Musik die Gesellschaft, ihre Strukturen und Probleme zu identifizieren und die abstrakteste der Künste dadurch an die Konkretheit des Lebens zurückzubinden, das eine im anderen zu finden, ohne es auf dieses zu reduzieren – diese Fähigkeit des Überblicks, die den souveränen Umgang mit dem Gegenstand des eigenen Inte-resses voraussetzt, ist in unseren Zeiten selten geworden.
Es bedarf eines ebenso überlegenen wie widerständigen Charakters, um gegen den allgemeinen Trend die eigenen Arbeiten nicht als bloße Anachronismen erscheinen zu lassen, die gegen den Zeitgeist nicht mehr ankommen, sondern in ihnen und mit ihnen noch einmal vorzuführen, wozu ein Wissen gut ist, das nicht in fachlicher Partikularität aufgeht.
Ulrich Schreiber war von solchem Zuschnitt, er war eine überragende und imponierende Figur der deutschen Musikpublizistik. Er verfügte über ungemein breite und genaue Kenntnisse nicht nur in der Musik, der Literatur und dem Theater, sondern auch in Geschichte, Gesellschaft und Politik. Begabt mit einem scharfen analytischen Verstand, in seinen ...
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Herr Kehr, Sie sind seit 1996 für das Musiktheater der Schwetzinger Festspiele verantwortlich und haben dort eine «Schwetzinger Dramaturgie» übernommen, deren Philosophie darin besteht, jeden Sommer zwei Opern, die Ausgrabung eines vergessenen Werks und die Uraufführung eines Auftragswerks, im Schlosstheater zu präsentieren. Wie findet man solche Stücke wie...
Als Kirill Petrenko im Juli dieses Jahres sein letztes Sinfoniekonzert an der Komischen Oper Berlin dirigierte, verabschiedeten die Musiker ihren Chef mit einem symbolträchtigen Geschenk. In Anspielung auf Petrenkos letzte Premiere, das «Land des Lächelns», verliehen sie ihm eine gelbe Jacke, in Lehárs Operette das Zeichen für die allerhöchsten Würden, deren der...
Herr Frey, im vergangenen Jahr, als Sie zum neuen Bremer Generalintendanten bestellt wurden, rauschte es im Blätterwald der Feuilletons: Angeblich wollten Sie die Bremer Oper zu einem Stagione-Theater umfunktionieren. Jetzt, wo Ihr Spielplan für die erste Saison vorliegt, liest sich alles doch etwas anders: Bremen behält ein relativ großes Hausensemble; viele...
