Es ist ein Schnitter, heißt der Tod
An dem Versuch, Alfred Döblins 1929 erschienenen Großstadtroman «Berlin Alexanderplatz» zu verfilmen oder als Schauspiel zu adaptieren, sind schon viele Regisseure gescheitert. Die offene Form der Montagetechnik, die Vielfalt der simultanen Sprachebenen vom mythologisch-biblischen Tonfall bis zu collagierten Zitaten aus Presse, Werbung und Konsumwelt, nicht zuletzt die Überblendung der Lebensgeschichte des haftentlassenen Franz Biberkopf mit dem anonymen Stimmengewirr des Labyrinths Berlin zu einem einzigen Bewusstseinsstrom lassen sich nur schwer in ein anderes Medium übertragen.
Das mussten selbst die beiden ambitioniertesten Bearbeiter, Rainer Werner Fassbinder mit seiner 14-teiligen Fernsehserie und Frank Castorf mit seiner Theaterversion erfahren. An eine Vertonung wagte sich bislang niemand.
Umso skeptischer war man, als das Theater Bielefeld jetzt die Uraufführung einer «Berlin Alexanderplatz»-Oper der Brüder Vivan und Ketan Bhatti ankündigte. Die beiden in Bielefeld aufgewachsenen Musiker und Komponisten mit deutsch-indischen Wurzeln haben sich im Grenzbereich zwischen neuer, elektronischer und populärer Musik einen Namen gemacht, besitzen wie ihre Librettistin, die ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert
Johann Sigismund Kusser war wie viele Musiker seiner Zeit ein Kosmopolit wider Willen, ruhelos hin- und hergetrieben zwischen den konkurrierenden Fürstenhöfen, kurzum: ein «weitgereister Musiker», wie die australische Musikologin Samantha Owens ihre 2017 erschienene Monografie betitelte. Mit vierzehn kam der im damals ungarischen Preßburg geborene Sohn eines...
Über Carl Dahlhaus, den führenden Musikwissenschaftler seiner Zeit, schrieb sein Freund und Studienkollege Joachim Kaiser 1989 einen bewegt-bewegenden Nachruf. Dahlhaus, heißt es da, habe «mit dem Leben gezahlt dafür, eine intellektuelle Existenz führen zu wollen – um jeden Preis». Das klingt pathetisch nur für diejenigen, die Dahlhaus nicht kannten und sein Werk...
Herr Ono, gibt es im Japanischen ein Synonym für das deutsche Wort «Systemrelevanz»?
Nein. Dennoch kann unsere Arbeit nicht existieren, ohne systemrelevant zu sein. Am New National Theatre Tokyo funktioniert das jedenfalls außerordentlich gut. Das Team harmoniert miteinander, alle Bereiche – der künstlerische, der technische wie auch der kommerzielle – arbeiten eng...
