«Es geht darum, berührt zu werden»

In ihrer Heimat, der Slowakei, ist sie ein Star, als Autorin, Performerin und Regisseurin. Aber Sláva Daubnerová kann auch Oper. Ihre Inszenierungen sind gedankenvoll, assoziativ, vor allem phantasiereich und nicht immer ganz leicht zu entschlüsseln. Ein Gespräch über Freiheit, schlechte Libretti, falsche Frauenbilder und Politik

Opernwelt - Logo

Frau Daubnerová, wollen wir über das Verhältnis von Kunst und Politik reden?
Tatsächlich kommt man nicht umhin, über Politik zu sprechen, insbesondere in der Slowakei, wo ich lebe, wenn ich nicht im Ausland arbeite. Nachdem Robert Fico als Ministerpräsident wieder an die Macht gelangte, geschah in meiner Heimat in Windeseile, was der kürzlich abgewählte Viktor Orbán in Ungarn in wenigen Jahren erreicht hatte.

Ich meine damit nicht nur einen Angriff auf die Demokratie, aber wenn wir schon über Kunst und Politik sprechen: Bei uns ist es die Kultur, die täglich auf der Tagesordnung steht. Nie zuvor wurde ihr so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Wahrscheinlich verbirgt sich dahinter eine Strategie, um von anderen wichtigen Themen abzulenken, etwa vom Thema Justiz. Fico will vor allem vermeiden, ins Gefängnis zu gehen, also musste er schnell Gesetze ändern, Positionen neu besetzen. In der Kultur begann es mit der Absage von Veranstaltungen und Projekten mit LGBT-Themen, gefolgt von der Übernahme des Staatlichen Fernsehens und Radios, und innerhalb eines Jahres wurden alle Direktoren der großen Kulturinstitutionen entlassen, wie zum Beispiel Matej Drlička, der Intendant des Slowakischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Interview, Seite 50
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Blühendes Sizilien

Lullys «Bellerophon» von 1679, wo der Held die dreigestaltige Chimäre in einer spektakulären Flugaktion auf dem Wunderpferd Pegasus – ein Triumph der Bühnenmaschinerie – besiegt, hatte sich ein Jahr lang in Paris auf der Bühne gehalten und wurde auf königlichen Wunsch im Januar 1680 in dessen Residenz in Saint-Germain-en-Laye neu produziert, wenige Wochen vor der...

Die Welt, wie sie ist ...

Vielleicht haben sie in einer Kühlkammer geruht, im Zustand zwischen nicht mehr lebendig und tot, auf dass sie, wie in dieser Aufführung geschehen, jederzeit reanimiert werden können, und auch, um wichtigen Fragen nachzugehen: Was hatte es eigentlich auf sich mit den rivalisierenden Königinnen? Wie verliefen die Kraftfelder der Macht, wer steuerte sie? Und gab es...

Easy to Like

An den Kinospot erinnern sie sich heute noch in der Stadt: Zu sehen ist ein Opern-Vorsingen, die trällernden Damen klingen allesamt schrecklich. Plötzlich steht eine Besucherin auf, erklärt dem verzweifelten Opernchef auf der Leinwand keck, sie könne das besser. Der dreht sich um, blickt in den Kinosaal und gibt seinem Filmpianisten das Signal. Die Sängerin...