Easy to Like
An den Kinospot erinnern sie sich heute noch in der Stadt: Zu sehen ist ein Opern-Vorsingen, die trällernden Damen klingen allesamt schrecklich. Plötzlich steht eine Besucherin auf, erklärt dem verzweifelten Opernchef auf der Leinwand keck, sie könne das besser. Der dreht sich um, blickt in den Kinosaal und gibt seinem Filmpianisten das Signal.
Die Sängerin brilliert vor dem erstaunten Lichtspielpublikum, bekommt den Job, und Stockholm hat ein Gesprächsthema: Die Folkoperan, das kleine Guerilla-Opernhaus im Stadtteil Södermalm, spielt ein hierzulande kaum bekanntes Stück namens «Die Liebe zu den drei Orangen».
Die Geschichte mit den «Drei Orangen» von damals ist bezeichnend für den ungebrochenen Mut der Macher, Stücke abseits von «Carmen» oder «Tosca» anzubieten (die es natürlich auch gibt): Zum 50. Geburtstag bringt die Folkoperan zwei Uraufführungen heraus. Im September wird «Jag är Ulla Winblad» kommen, ein Stück über die Muse des schwedischen Troubadours Carl Michael Bellman, dessen Melodien aus dem 18. Jahrhundert noch heute bekannt sind (es sind, wie fast immer, mindestens 40 Vorstellungen angesetzt). Bereits im Mai feierte «Nietzsche kontra Wagner» Premiere. Ein Abend über ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Magazin, Seite 92
von Stephan Knies
Anders als in anderen Ländern Europas verbringt der aufrechte französische Opernfan selbst den Heiligen Abend gern im Opernhaus oder Konzertsaal. Ob allerdings auch Napoleon ein solcher Aficionado war, als er beschloss, am 24. Dezember 1800 der französischen Erstaufführung von Haydns «Schöpfung» (alias «La Création du monde») in der Pariser Oper beizuwohnen, darf...
Es ist Frühling in Wien, und sowohl im MusikTheater an der Wien wie an der Staatsoper spielen sie, es mag ein Zufall sein oder doch ein Zeitzeichen, Stücke von Entsagung und Vergebung. Meist geht es ja anders; wo die Oper des 19. Jahrhunderts Ehrensachen berührt, da gibt es eher keine Gnade. Der Vergebungschoral, wie er am Ende von Verdis «Stiffelio» ein...
Vielleicht haben sie in einer Kühlkammer geruht, im Zustand zwischen nicht mehr lebendig und tot, auf dass sie, wie in dieser Aufführung geschehen, jederzeit reanimiert werden können, und auch, um wichtigen Fragen nachzugehen: Was hatte es eigentlich auf sich mit den rivalisierenden Königinnen? Wie verliefen die Kraftfelder der Macht, wer steuerte sie? Und gab es...
