Die Welt, wie sie ist ...

... und wie sie in gleich sechs Uraufführungen klingt: München zeigt Brett Deans «Of One Blood», Bern Salvatore Sciarrinos «L’Agamennone» und Stuttgart «Station Paradiso» von Sara Glojnarić. In Dortmund kommt «WE (WIR)» von Sarah Nemtsov heraus, in Brüssel Iain Bells «Medusa», in Liège Benoït Merniers «Bartleby»

Opernwelt - Logo

Vielleicht haben sie in einer Kühlkammer geruht, im Zustand zwischen nicht mehr lebendig und tot, auf dass sie, wie in dieser Aufführung geschehen, jederzeit reanimiert werden können, und auch, um wichtigen Fragen nachzugehen: Was hatte es eigentlich auf sich mit den rivalisierenden Königinnen? Wie verliefen die Kraftfelder der Macht, wer steuerte sie? Und gab es da nicht doch mehr Gemeinsamkeiten, als es die Hofschranzen mit ihren Eigeninteressen wahrhaben wollten? Die schottische Monarchin Mary Stuart und ihr englischer Widerpart Elizabeth I.

hatten tatsächlich Kontakt, allerdings über Briefe. Das Kratzen der Feder, ein rhythmisiertes Geräusch, ist das tonlose Leitmotiv dieser Partitur. Auch wenn Komponist Brett Dean wie schon Friedrich Schiller oder Gaetano Donizetti damit im frei Erfundenen flaniert: Ein Showdown zwischen den Königinnen macht sich eben allemal besser als die historische Realität. Mit «Of One Blood», uraufgeführt an der Bayerischen Staatsoper, dockt der Australier und Ex-Bratschist der Berliner Philharmoniker also an ein erprobtes Setting an. Mary und Elizabeth dürfen sich direkt begegnen, der existenzielle, macht- und religionspolitische Streit der beiden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Markus Thiel, Anselm Gerhard, Jürgen Otten, Richard Lorber, Michael Kaminski

Weitere Beiträge
Editorial Opernwelt 7/26

Es ist nur eine Karikatur. Aber sie erzählt viel über das Demokratie-Verständnis einer Partei, die demnächst auf Länderebene mit absoluter Stimmenmehrheit regieren könnte. Die Zeichnung, die unter dem Titel «Neulich in Sachsen-Anhalt» einen politischen F.A.Z.-Artikel über den drohenden Machtwechsel in diesem Bundesland ziert, zeigt zwei alte, grimmig glotzende...

Manche mögen’s kalt

Manhattan kann magisch sein – wenn man das nötige Kleingeld hat, um den Spaß zu finanzieren, der die Magie auszulösen vermag. Jene beiden Paare, die noch bei Lorenzo Da Ponte (der sein letztes Lebensdrittel in New York verbrachte, vom Obst- und Gemüsehändler in der Bowery zum Professor mutierte und wehmütig wie zahnlos auf sein an Amouren reiches Leben...

Ungeahnt leicht und pointiert

Es wird hektisch, der Gatte naht. Ein Sprung hinter den Lehnstuhl, ein kopfloses Fliehen an der Rampe auf der Suche nach dem Versteck im Nebenraum. Normalerweise käme irgendwann der Sprung durchs Bühnenfenster in den Garten oder, manche Regisseure wollen auf den nahe liegenden Gag ja nicht verzichten, in den Orchestergraben. Man denkt an Mozarts «Figaro», muss sich...