«Erschüttert und voller Sorge»
Es ist ein prachtvoller Bildband, den der Schott Verlag zu seinem 250. Geburtstag herausgebracht hat: eine Übersicht all der Erstausgaben, der Niederlassungen in aller Welt, vor allem aber der großen Komponisten, die man bei ihrer Arbeit begleitet und auch bezahlt hat, von Beethoven über Wagner bis Strawinsky, von Hans Werner Henze über György Ligeti bis Chaya Czernowin.
Es ist aber auch eine Familiengeschichte, nämlich die der beiden Familien Schott und Strecker, die den Verlag in diesen zweieinhalb Jahrhunderten geleitet haben und mit Peter Hanser-Strecker bis in die Gegenwart hinein leiten.
Erschienen ist der Band im Mai («Die Schott Music Group – 250 Jahre Verlagsgeschichte», hrsg. von Susanne Gilles-Kircher, Hildegard Hogen und Rainer Mohrs), begleitet von einer ebenso aufwändigen Onlinedokumentation im Netz. «Nun können wir das ganze Jahr in die Tonne treten», sagt Christiane Albiez, Mitglied der Geschäftsleitung von Schott Music. Sie sei «erschüttert und voller Sorge». Das Gespräch findet Anfang November statt, Albiez hat gerade erfahren, dass auch die in den kommenden Wochen geplanten Uraufführungen von Aribert Reimann, Pēteris Vasks und Fazil Say ausfallen oder auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Michael Stallknecht
An Olivier Messiaen kann man sich reiben – bis heute. Die von ihm nach dem Zweiten Weltkrieg vorangetriebene Schärfung des Denkens in Reihen hat die Serialität zum Herzstück der musikalischen Avantgarde Westeuropas werden lassen. Seine Neigung zu komplexen Rhythmen und aperiodischen Verläufen, zu denen er sich durch die Erkundung der Vogelgesänge inspirieren ließ,...
Don Juans musikalische Bühnenkarriere begann bereits 100 Jahre vor Mozart mit der 1669 im Privattheater der Adelsfamilie Colonna uraufgeführten Oper «L’empio punito» («Der bestrafte Gottlose») von Alessandro Melani (1639–1703), der seit 1667 als Kirchenkomponist in Rom wirkte. Mit ihrer deftigen Komik und expliziten Erotik ist Melanis Dramma per musica noch...
Der Wiener Jugendstil, so hat es Nike Wagner einmal poetisch und zutreffend formuliert, sei die «Kunst der Träumerei entzügelter Nerven». Symptomatisch für diese Zeit steht Alexander Zemlinskys Oper «Der Traumgörge» von 1907. Dessen Titelheld ist ein Träumer, der sich in Bücher versenkt und seine lebenslustige Braut Grete lieber dem bodenständigen Hans überlässt....
