Schreien und Flüstern

Theater der Obsessionen: Cornelius Meister und Barbara Frey verknüpfen an der Oper Stuttgart Mascagnis «Cavalleria rusticana» und Sciarrinos «Luci mie traditrici»

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Filigran intime, von einem Streichquintett intonierte Kammermusik erklang zu Beginn der ersten Eigenproduktion der Staatsoper Stuttgart nach dem ersten Corona-Lockdown aus dem Orchestergraben – Musik irgendwo angesiedelt zwischen Verdis «Aida»-Vorspiel und dem Sextett aus Richard Strauss’«Capriccio».

Es war der Auftakt zu einer ungewöhnlichen, ursprünglich schon für Juni geplanten Premiere, die zwei stoffgleiche, in ihrer musikalischen Dramaturgie aber scheinbar geradezu konträre Werke, Pietro Mascagnis Verismo-Dauerbrenner «Cavalleria rusticana» und Salvatore Sciarrinos obsessiv sich in sich selbst zurückziehende Kammeroper «Luci mie traditrici» zu einem Doppelabend koppelte. Die besonderen Aufführungsbedingungen waren es, die die inneren Bezüge – verbotenes Begehren und Liebesverrat – zwischen beiden Stücken noch stärker hervortreten ließen. Die wenigen Schreie bei Sciarrino wirkten aggressiver und ungebärdiger, die emphatischen Ausbrüche von Mascagnis Figuren dagegen unterdrückter und verinnerlichter.

Beide Opern waren ungekürzt – «Luci mie traditrici» unverändert, «Cavalleria rusticana» in einer von Sebastian Schwab, dem Assistenten des Stuttgarter GMDs Cornelius Meister, ...

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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Uwe Schweikert

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