Ernst und Unernst
Neben der Semperoper mit ihren verschiedenen Spielstätten besitzt Dresden eine weitere treffliche Opernbühne: das 2005 (wieder-)eröffnete Kleine Haus des Staatsschauspiels. In seinem Verzicht auf Marmor, Pomp und Plüsch sowie in seiner technischen Ausstattung ist das abseits der Touristenströme gelegene Haus ideal für modernes Musiktheater mittlerer Größe – und war nun erstmals Schauplatz einer ambitionierten Uraufführung.
Die «Schlüsseloper» des 62-jährigen Dresdner Komponisten Wilfried Krätzschmar ist zwar ein Auftragswerk zum achthundertjährigen Jubiläum der Stadt, aber in ihrer kritisch gebrochenen Darstellung deutscher Befindlichkeiten vor und nach 1989 ist sie alles andere als ein steifes Repräsentationsstück. Entschiedener als jüngst der preisgekrönte Kino-Hit «Das Leben der Anderen» will das auf einem Libretto des Dresdner Lyrikers Michael Wüstefeld basierende Werk auf einen Abstand zur Realität hinaus, der zur Reflexion einlädt. Aller Ernst wird kontrapunktiert durch burleske und groteske Farben: auf sprachlicher Ebene parodistische Reime; auf musikalischer Seite eine Vielfalt ironisch grundierter Pointierungen, kunstvoll durchsetzt mit Zitaten, Assoziationen und ...
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Die Lage bleibt unübersichtlich, die Suche nach Orientierung ein Abenteuer. So ungewiss, so haltlos wie das Leben im heutigen Russland, so brüchig ist auch das Verhältnis zu Tradition, Geschichte und Kunst geworden. Der allgemeinen Verunsicherung entsprechen ästhetische Provisorien, nicht zuletzt auf den (Musiktheater-)Bühnen. Wie hält man es mit Tschaikowsky,...
Monteverdi mit Jean-Claude Malgoire und Joachim Schlömer in Stuttgart («L’Orfeo») oder unter Attilio Cremonesi in Genf (Nerone in «Poppea»), Händel in München («Acis e Galatea», «Ariodante») und New York («Rodelinda»), Rares von Ferrandini, Cavalli («La Calisto») oder Haydn («Il mondo della luna» unter René Jacobs), daneben immer wieder Mozart, etwa «Idomeneo» an...
Es gehört zum Wesen guter Operetten, dass sie inhaltlich Gewichtiges ungestraft verlachen. An der elsässischen Opéra national du Rhin hat Regisseurin Mariame Clément diesen Nerv von Offenbachs «La belle Hélène» getroffen, indem sie die Handlung vom Mythos der Antike durch einen Mythos unserer Tage ersetzte – das Hollywood der zwanziger Jahre (opulente Ausstattung:...
