Erlösung dem Erlöser?
«Parsifal» war Wagners letzte Karte – mit dem Weltüberwindungswerk vom «reinen Toren» wollte er eine Kunstreligion stiften. Thilo Reinhardt unterzog das pseudosakrale «Bühnenweihfestspiel» in seiner Wuppertaler Inszenierung einer radikalen Gegenlektüre. Mit seinem Bühnenbildner Harald Thor verlegte er Wagners «heiligen Bezirk» im ersten Akt in die Sporthalle eines Elite-Internats oder einer schlagenden Studentenverbindung, den männerbündischen Charakter der esoterischen Gralsgesellschaft betonend.
Es befremdet zunächst, Gurnemanz als Fechtlehrer einer Erziehungsdiktatur zu sehen. Aber das konsequent durchgehaltene Bild des Fechtens entwickelt eine eigene Logik. Der anfänglichen Harmlosigkeit werden mit dem Auftritt des schwerkranken Institutsdirektors Amfortas, dann des Außenseiters Parsifal erste Risse versetzt; im Aufmarsch der Gralsritter – der Parodie eines farbenprächtig und detailsatt inszenierten burschenschaftlichen Stiftungsfestes – bricht sie vollends in sich zusammen. Die Enthüllung des Grals wird zum blasphemischen Ritual. Der Wein, den der wie Christus ans Kreuz geschlagene Amfortas der lechzenden Menge spendet, ist sein eigenes Blut.
Die Szenerie kehrt im dritten Akt ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Uwe Schweikert
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