Nebensonnen
Herr Williams, Sie haben als Musiklehrer angefangen ...
Mein Vater war Geschäftsmann. Profi-Musiker kamen in unserer Welt nicht vor. Natürlich hörte ich sie im Radio oder sah sie im Fernsehen, aber ich ging davon aus, dass sie das zum Spaß machen – denn was könnte Musik anderes sein?
Dabei waren Sie doch selbst, wie fast alle Sänger in Großbritannien, schon im Grundschulalter Musik-Profi – als Chorkraft im Dauereinsatz.
Das stimmt.
Wenn’s auch für mich nicht ganz so intensiv war, mein Chor sang nur zweimal die Woche in der Messe. Meine Brüder wuchsen auch in der Chortradition auf – und heute sind es mein Neffe und meine Nichte. Inzwischen gibt es diese Möglichkeit ja zum Glück auch für Mädchen. Jedenfalls sah ich als Teenager im Chor des Merton College in Oxford einige der älteren Jungs Musikerkarrieren einschlagen. Da beschlich mich schon der Gedanke: Mensch, muss das schön sein! Trotzdem bezog ich das nie auf mich, ich weiß nicht, warum. Für mich war klar, dass ich in einem Klassenzimmer stehen würde – und ich traf alle Entscheidungen entsprechend. Ich arbeitete dann erst mal an der Tiffin School.
Die meisten Musikstudenten kommen aus teuren Privatschulen. Tiffin ist eine der ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Wiebke Roloff Halsey
Nachdem der fragwürdige Staatsrechtler Carl Schmitt im Alter seiner Paranoia verfallen war, äußerte er zu einem Bekannten, er müsse seinen berühmten Satz «Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet», den er nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben habe, korrigieren. Nun sage er stattdessen: «Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt.»
Das klingt...
Michail Glinka war also Antisemit. Und deshalb darf die Berliner U-Bahn-Station «Mohrenstraße» nicht nach der Straße umbenannt werden, in der das Haus liegt, in dem der russische Komponist 1857 starb.
Mit Antisemitismus, Rassismus, Kolonialismus in der Operngeschichte ist es freilich eine vertrackte Sache. In Berlin hält die U-Bahn auch am «Richard-Wagner-Platz»....
JUBILARE
Wenige haben den Diskurs über Oper und Musiktheater heute stärker geprägt als er. Mit Adorno, Heidegger und Derrida im Hinterkopf, begriff Klaus Zehelein künstlerisches Handeln stets als reflektierte Auseinandersetzung mit der Gegenwart des Vergangenen und der Geschichtlichkeit des Gegenwärtigen. Angefangen hat er in den 1960er-Jahren als junger...
