Nebensonnen
Herr Williams, Sie haben als Musiklehrer angefangen ...
Mein Vater war Geschäftsmann. Profi-Musiker kamen in unserer Welt nicht vor. Natürlich hörte ich sie im Radio oder sah sie im Fernsehen, aber ich ging davon aus, dass sie das zum Spaß machen – denn was könnte Musik anderes sein?
Dabei waren Sie doch selbst, wie fast alle Sänger in Großbritannien, schon im Grundschulalter Musik-Profi – als Chorkraft im Dauereinsatz.
Das stimmt.
Wenn’s auch für mich nicht ganz so intensiv war, mein Chor sang nur zweimal die Woche in der Messe. Meine Brüder wuchsen auch in der Chortradition auf – und heute sind es mein Neffe und meine Nichte. Inzwischen gibt es diese Möglichkeit ja zum Glück auch für Mädchen. Jedenfalls sah ich als Teenager im Chor des Merton College in Oxford einige der älteren Jungs Musikerkarrieren einschlagen. Da beschlich mich schon der Gedanke: Mensch, muss das schön sein! Trotzdem bezog ich das nie auf mich, ich weiß nicht, warum. Für mich war klar, dass ich in einem Klassenzimmer stehen würde – und ich traf alle Entscheidungen entsprechend. Ich arbeitete dann erst mal an der Tiffin School.
Die meisten Musikstudenten kommen aus teuren Privatschulen. Tiffin ist eine der ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Wiebke Roloff Halsey
Was das Horn für die deutsche Romantik, war die Flöte für die französische Musik des frühen 20. Jahrhunderts. Ihre Klänge erinnern an die Hirtenflöte des Rokoko, evozieren aber auch die Töne des antiken Pan wie orientalische Parfüms. Wenn sich die Arabesken des Instruments und das gesungene Wort vermählen, entsteht eine Überlagerung voll herber Poesie – eine...
«Parsifal» ist Wagners letztes Musikdrama, dem Untertitel nach ein «Bühnenweihfestspiel». Das ominöse Wort lässt sich in heutige Sprache übertragen: Es bezeichnet die spezifische Einheit von Aufführung, Spielstätte und Handlung, auf die es Wagner ankam, und die er auf vielfältige Weise mit Ritualen durchsetzte. Zwischen «Parsifal» und den Bayreuther Festspielen...
Es glich dem «Lied überm Staub danach», rief Ingeborg Bachmann, Österreichs Zauberin des lyrischen Wortes, einer zerbrochenen Liebe nach. Gemeint war das Schauspiel «Jedermann» ihres Landsmanns Hugo von Hofmannsthal, das, zuvor in Berlin von der Kritik verrissenen, am 22. August 1920 über den Salzburger Domplatz schallte. Ein schlichtes Gastspiel aus der Hauptstadt...
