Erinnerungswürdig
Seit dem Amtsantritt von Yannick Nézet-Séguin als Musikdirektor der Metropolitan Opera in der Saison 2018/19 legt das Haus – in diesen Dingen seit Mitte der 1930er-Jahre unbeständig und erst seit einigen Jahren langsam wieder im Aufwind – erkennbar größeren Wert auf die zeitgenössische Musik. Nach der Saisoneröffnung mit «Fire Shut Up in My Bones» von Terence Blanchard (OW 12-2021) präsentierte das Haus nun mit der «Eurydice» von Matthew Aucoin – im Vorjahr unter Leitung des 31-jährigen Komponisten in Los Angeles uraufgeführt – bereits die zweite neue Oper.
Vorlage für «Eurydice» bildet das gleichnamige Theaterstück von Sarah Ruhl aus dem Jahr 2003 (die Autorin schrieb auch das Libretto für Aucoin), ein faszinierendes, an vielen US-Bühnen gespieltes und 2007 mit dem Off-Broadway gekürtes Stück, das die Orpheus-Legende auf intelligente Weise adaptiert, den mythischen Stoff aber nicht aus Sicht des Hinterbliebenen erzählt, sondern die weibliche Perspektive wählt.
Aucoin, ein Universalgelehrter, der schon häufig mit Leonard Bernstein verglichen wurde, hat neben Werken für Kammermusik und Orchester bereits vier Opern komponiert, darunter «Crossing» nach Walt Whitman (2015). Er ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 45
von David Shengold
Himmel, hilf! So wohl muss man die Worte verstehen, mit denen sich Ägyptens geplagte Königin an die Götter wendet, in der Hoffnung, sie mögen ihren Qualen ein Ende setzen. Gefühlt 99 Mal haucht Cleopatra die Worte «giusto ciel» in den imaginären Saal, und immer flehentlicher klingt diese évocation sentimentale, immer verzweifelter, vergeblicher. Keine Frage, die...
Herr Erath, träumen Sie manchmal in Farbe?
(lacht) Ich glaube, eher selten. Aber ich träume generell viel. Und Oper ist für mich eigentlich immer eine Form von Traumerzählung.
Was findet in dieser Traumerzählung statt?
Sehr viel, einfach schon durch die Setzung: Was Oper genuin ausmacht, sprich: das gesungene (und eben nicht gesprochene) Wort, ist die Tatsache,...
Programmatisch war die Idee nicht sonderlich kühn – «Eugen Onegin» kennt in Russland jedes Kind. Personell hingegen schon. Doch am Ende erwies sich die Entscheidung der Oper Jekaterinburg, Dmitry Volkostrelov für eine Neuinszenierung von Tschaikowskys «Lyrischen Szenen» zu verpflichten, als sehr gute Wahl. Volkostrelov ist eine außergewöhnliche Figur im Kulturleben...
