Erfüllte Augenblicke

Verdis «Aida» und «La forza del destino» in spanenden Live-Aufnahmen

Opernwelt - Logo

Als Maria Callas und Sir John Barbirolli im Juni 1953 an der Londoner Covent Garden Opera gemeinsam eine Serie von «Aida»-Vorstellungen absolvierten, wurden beide von der Kritik ziemlich einhellig verrissen. Man warf dem Dirigenten zahlreiche Wa­ckelkontakte zwischen Bühne und Graben vor, der Gesang der Diva wurde als «Pein für empfindliche Ohren» abgekanzelt. Was immer da dran gewesen sein mag, der jetzt bei Testament erstmals offiziell publizierte Mitschnitt der dritten und letzten Vorstellung setzt die Kritiker von damals nicht ins Recht.

Barbirolli zeigt das richtige Fingerspitzengefühl für diese Partitur, indem er nicht nur auf dramatische Stringenz und Grand Opéra-­Effekte setzt, sondern auch die atmosphärischen und exotischen Valeurs der Musik erspürt.
Die Callas hat sich kurz nach dem Londoner Gastspiel in Verona von der Rolle der Aida verabschiedet (sie aber zwei Jahre später im Studio noch einmal gesungen). Mit ihrer dunklen, warmen und fülligen Stimme (der damals auch noch eine füllige Erscheinung entsprach) entwickelt sie ein überaus bewegendes Rollenporträt, voller verhaltener Töne und feiner Verschattungen; im Schlussduett hebt sie wahrlich in eine an­dere Welt ab. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: platten, Seite 53
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kurioses Fundstück

Viel fehlte nicht, und das vermutlich merkwürdigste Relikt aus Wagners tristester ­Lebensphase wäre im Orkus der Musikgeschichte verschwunden: Nur ein einziges gedrucktes Exemplar seiner 1840/41 entstandenen Bearbeitung von Donizettis «La Favorite» für zwei Violinen hatte sich im Nachlass des französischen Pianisten und glühenden Wagnerianers Alfred Cortot erhalten...

Von der Braut zur Königin

Die mittlerweile 79-jährige, in Passau lebende Ruth Zechlin hat Henry Purcells nicht vollständig überlieferte und daher auch nicht abendfüllende Oper «Dido and Aeneas» um die bei Vergil überlieferte Vorgeschichte erweitert. Ihre ebenfalls knapp einstündige Kammer­oper nach einem Libretto von Hellmuth Matiasek rollt das Geschehen als Rückblende auf: Elissa verliert...

Wer oder was ist eine Diva?

Anna Netrebko ist ganz genau, wenn es um die große Arie der Traviata geht. Sechzehntelpausen des «Ah fors‘è lui» dort, wo sie stehen, die Legatobögen, Akzente und dynamischen Stufen ebenfalls. Keine «Interpretation» versucht diese Aufnahme, sondern eine schlichte Ausführung des Notentextes. Maria Callas war da, ein halbes Jahrhundert vorher, freizügiger. Was sie...