Erfinderisch
Blicken wir zurück. Am 14. März 2020 feierte die English National Opera (ENO) die Premiere einer Neuproduktion von Mozarts «Le nozze di Figaro». Bereits die zweite Vorstellung wurde gestrichen, ebenso der Rest der Spielzeit. Das Royal Opera House (ROH) brachte am 1. März 2020 einen umjubelten neuen «Fidelio» heraus. Nach sechs weiteren Vorstellungen fiel die geplante Kino-Übertragung am 17. März ins Wasser. Was besonders traurig war, weil die Produktion weltweit in 1.500 Kinos gezeigt werden sollte.
Auch am Coliseum gab es nur noch wenige Vorstellungen: Händels «Berenice» im kleineren Linbury Theatre, Verdis «Traviata» auf der großen Bühne. Oliver Mears, Operndirektor des ROH, erzählte mir, was für eine merkwürdige Erfahrung das gewesen sei: ein halbleeres Theater bei einem Stück, das sonst immer ausverkauft war, und ein Final-Akt, in dem Violettas schwindsüchtiger Husten angesichts der im ganzen Land grassierenden Pandemie besonders wirkte.
Nachdem Covent Garden und das Coliseum ihre Produktionen eingestellt hatten, entschied sich Glyndebournes Geschäftsführerin Sarah Hopwood zunächst dafür, die erste Hälfte ihrer Saison zu verschieben; später wurde die gesamte Spielzeit ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 104
von George Hall («The Stage», «Opera», «Opera News», London)
Lange noch dürfte sie in Erinnerung bleiben, diese überlange Spielzeit der Einschränkungen und Absagen, des Ausweichens, Umplanens und der Entschleunigung. Hinter uns liegt eine Phase oft ungewohnter Seh- und Hörerfahrungen, der Entzugserscheinungen und Ersatzhandlungen, der immer wieder neuen Hoffnungen oder Vertröstungen. Und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht.
...Ein guter Regisseur zeichnet sich, wie ebenfalls ein guter Dramatiker, dadurch aus, dass er die Wirklichkeit vermittels einer Fabel zu überhöhen weiß. Einem großen Regisseur gelingt es zudem, die Protagonisten dieser Fabel zu radikal authentischen (und autonomen) Bühnengestalten zu formen. Lorenzo Fioroni kann das, das zeigte sowohl seine Inszenierung von Dusapins ...
Zunächst ist da die Trauer über die beträchtliche Anzahl an aktiven oder in den Ruhestand getretenen Künstlerinnen und Künstlern und Bühnenmitarbeiterinnen und Bühnenmitarbeitern der amerikanischen Opernhäuser, die wir in diesem bizarren, tragischen Jahr durch Covid verloren haben – darunter Kammersängerin Arlene Saunders und Dirigent Joel Revzen. Dann die traurige...
