Entwurzelt
Zweimal im Jahr zeigt Potsdam, das kein eigenes Opernhaus hat, dem großen Nachbarn Berlin, dass auch hier spannendes Musiktheater möglich ist: im Sommer, während der Musikfestspiele Sanssouci, und bei der jährlichen Winteroper. Da diese wegen Sanierung seit einigen Jahren nicht im angestammten barocken Schlosstheater im Neuen Palais stattfinden kann, spielt man auf der anderen, stadtnahen Seite des Parks, in der Friedenskirche. Die spirituelle Umgebung legt geistliche Stoffe nahe, wegen der beschränkten Platzverhältnisse ohne Bühne bieten sich szenische Oratorien an.
Dieses Mal: «Elias» von Felix Mendelssohn Bartholdy, geschrieben fürs chorvernarrte englische Publikum, konzipiert für Hunderte Mitwirkende.
In Potsdam sind es nur ein paar Dutzend, genauer: sechs Solisten und 24 Choristen. Resultat ist eine fast kammermusikalische Transparenz und Durchhörbarkeit des Klangbilds, dem es aber trotzdem nicht an alttestamentarischer Eindringlichkeit fehlt. Dirigent Titus Engel legt sich ins Zeug, auch körperlich: Da die Kammerakademie Potsdam am einen Ende des Kirchenschiffs spielt, der Chor aber am anderen agiert, hat er alle Hände voll zu tun, damit nichts auseinanderläuft, erklimmt ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Udo Badelt
«Donizetti200» heißt das Projekt, das die zweite Ausgabe des neuen Vorzeigefestivals der Stadt Bergamo unter der gemeinschaftlichen Ägide des Künstlerischen Leiters Francesco Micheli und der Fondazione Donizetti ins Leben gerufen hat. Sein Konzept: Bis zum Jahr 2044 soll alljährlich eine Oper des Komponisten zur Aufführung gelangen. Ein ambitioniertes Unterfangen,...
Die Lobpreisung kam aus berufenem Munde: «In einem ähnlichen Sinn wie dem, in welchem es nur die Hegelsche Philosophie gibt», proklamierte Theodor W. Adorno in seiner brillanten, fragmentarischen Studie über den Komponisten, «gibt es in der Geschichte der abendländischen Musik nur Beethoven.» Beethovens Musik, das war Adornos apodiktische Überzeugung, sei «das Bild...
In Virgil Thomsons Suffragetten-Oper auf ein Libretto von Gertrude Stein geht es, wenn man so will, um eine Frau, die sich in anarchischem Getöse Gehör verschaffen will. Jetzt sorgt R. B. Schlathers erhellende Produktion der «Mother of Us All» (1947) für die frisch renovierte Hudson Hall in der zwischen New York City und Albany gelegenen Kleinstadt Hudson dafür,...
