«Man darf die Wahrheit nicht schminken!»
Lieber Herr Konwitschny, ist die beste aller möglichen Welten noch zu retten?
Woher soll ich das denn wissen? Allein die Frage ist schon falsch. Jedenfalls kann ich sie nicht beantworten. Aber ich will es mal so sagen: Es wäre furchtbar, wenn es so bliebe, wie es jetzt ist.
Wie aber sollen wir die Generation unserer Kinder davon überzeugen, dass der Hegel’sche Imperativ vielleicht doch noch Gültigkeit erlangt, wonach die Geschichte ein Prozess zur und der Freiheit ist und dieser Prozess auf eine höhere Vernunft zusteuert.
Woher Hoffnung nehmen?
Heiner Müller hat einmal gesagt, dass man die Krisen ins höchste Maß treiben muss; nur dann könne etwas Neues entstehen.
Also erstmal die Apokalypse und dann eine Art Reload?
Die Apokalypse war ja schon oft genug da: in der Vor- und Frühzeit und auch im letzten Jahrhundert – zwar nicht für uns, aber für andere Menschen. Wenn ich zugrunde lege, was ich weiß, was ich gelesen und gesehen habe, gibt es keine Möglichkeit einer Umkehr zum Lebbaren. Aber ich will ja mein Leben nicht beenden, weil das so ist. Wir alle haben doch den Wunsch zu leben – gut zu existieren und weiter zu existieren, in Beziehungen zu anderen Menschen zu sein, die mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Interview, Seite 32
von
Italienerinnen und Italiener haben ein gespaltenes Verhältnis zum Wasser. Zwar verbringen sie ihre Ferien am liebsten am Strand – doch schwimmen gehen sie kaum. Die Allermeisten wagen sich höchstens bis zur Hüfte ins Meer. Dort telefonieren sie dann ausgiebig, manchmal plaudern sie auch mit real anwesenden Mitmenschen. Junge Leute werfen sich, im Kreis stehend,...
Am Abend des Jahres 1837 ging an der Pariser Oper der Tenorgesang eine freundliche Allianz mit der Athletik ein. Und zwar dank Gilbert Louis Duprez als Melchthal in Rossinis «Guillaume Tell»: In der Arie «Asile héréditaire» schleuderte er ein ut de poitrine, ein aus dem Brustregister gestemmtes hohes C, in den Raum wie ein Hammerwerfer sein Gerät. Es war quasi die...
Erfindungsreich ist der Mensch, wo es darum geht, anderen Menschen Schmerz zuzufügen. Unüberschaubar ist das Arsenal der dazu ersonnenen Instrumente. Einige davon, oder zumindest deren kreative Ableitungen, platziert Romeo Castellucci im strengen White Cube-Rahmen seines Amsterdamer Pasticcios. Ein Balken, um nackt rittlings darauf Stromstöße zu empfangen, ein...
