Emphase und Schmäh
Ambroise Thomas (1811–1896) hielt es mit der Weltliteratur. Seine beiden einstigen Erfolgsopern «Mignon» (1866) und «Hamlet» (1868), denen man inzwischen auf der Bühne kaum mehr begegnet, wagten sich an Goethe und Shakespeare. Aber bereits für die 1857 an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführte «Psyché» plünderten die Librettisten Jules Barbier und Michel Carré das allegorische Märchen «Amor und Psyche» des römischen Dichters Apuleius.
Die Göttin Venus ist eifersüchtig auf die sie an Schönheit übertreffende Psyché.
Dies umso mehr, als sich ausgerechnet ihr Sohn Éros in die Königstochter verliebt. Der ver -eitelt den Plan seiner Mutter, sie zu töten, und entführt sie in seinen Palast. Venus gibt nach: Psyché darf ihn lieben, aber sein Gesicht niemals sehen. Diese Prüfung besteht sie nicht. Ihren Selbstmord verhindern Venus, die ihr verzeiht, und Jupiter, der sie in den Olymp erhöht, sodass einer Ehe mit Éros nun nichts mehr im Weg steht. Das kann aber, da wir uns in einer Opéra-comique befinden, noch nicht alles sein. Und so schicken uns die Librettisten in Gestalt von Psychés missgünstigen Schwestern Dafné und Bérénice sowie deren schwatzhaften Liebhabern Antinoüs und Gorgias immer ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Medien, Seite 41
von Uwe Schweikert
Wer trotz allem lacht, verfügt im besten Falle über eine gehörige Portion jüdischen Humors, kann nicht nur der Vertreibung aus dem osteuropäischen Schtetl mit Komik begegnen, sondern sogar der Shoah. Das Lachen wird zum Mechanismus der Bewältigung des Bösen und des Überlebensgeistes selbst im Angesicht des Todes. In ihm begegnet die jüdische Kultur der Verzweiflung...
Ein Blick in den Werkkatalog Jean-Philippe Rameaus zeigt die enorme Vielfalt seiner Arbeiten für das Musiktheater. Neben abendfüllenden Tragédies en musique, Balletten, Divertissements und Pastoralen stehen mehrere Einakter unterschiedlichster Art. Das bekannteste und schon zu Lebzeiten des Komponisten erfolgreichste Werk dieser Art ist der Acte de ballet «Pygmalio...
Es war kein Ort zum Träumen, eher einer der gefesselten Phantasie: Stickig und klaustrophobisch dürfte es im Haremsbereich der osmanischen Paläste hergegangen sein. Selbst in jenem des Topkapı Sarayı zu Istanbul, obwohl er, vermeintlich großzügig, über 400 Zimmer umfasste. Zwar suggerieren hohe Decken und die elegant mit bunten Kacheln verzierten Wände, dass des...
