Emigrantentragödie in Brooklyn
Im Umgang mit seinen Musikern war Leos Janácek nicht zimperlich. «Wenn Sie das nicht spielen können, dann lernen Sie es eben», sagte er einem verzweifelten Geiger, der mit den ungewohnten Schwierigkeiten seines Parts nicht zurecht kam. Und auf die Frage, wie eine ob der undefinierbaren Kalligrafie des Meisters kaum zu entziffernde Stelle zu spielen sei, antwortete er: «Spielen Sie einfach, dass es wie das Heulen des Windes klingt.» Kaum denkbar, dass der Wiener GMD Franz Welser-Möst mit den Musikern des Staatsopernorchesters ähnlich umspringt.
Und doch sucht er in seiner Interpretation gerade das Ungebärdige, eigensinnig Grelle, die Härte der Partitur von «Katja Kabanova» zu betonen. Dabei geht er noch über Charles Mackerras hinaus, der die instrumentale Besänftigungsstrategie eines Václav Talich hinsichtlich von «Katja Kabanova» rückgängig gemacht hatte. Als Beispiele führt Welser-Möst Akkorde an, die «unglaublich weit auseinanderklaffen: Das bedeutet, dass eine Spannung zwischen den hohen Holzbläsern und den Kontrabässen entsteht. Selbst Mackerras hat diesen entstehenden Raum mit Celli und Bratschen zu füllen versucht.» Ob Sir Charles dies freilich so hätte stehen lassen, ist ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhard Persché
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Zum Abschluss der an entdeckerischem Wagemut wahrlich nicht armen Saison wartete die Oper Frankfurt mit zwei weiteren Premieren abseits des üblichen Repertoires auf. Beide Stücke, Marc-Antoine Charpentiers «Médée» und Aulis Sallinens «Kullervo», spielen in mythischer Vorzeit, also heute. Beide Male, in der 1693 uraufgeführten Barockoper wie in der fast genau...
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