Schuld und Sünde

Die lettische Nationaloper in Riga bringt erstmals Bruno Skultes Oper «Die Erbin von Vilkaci» auf die Bühne

Opernwelt - Logo

Eigentlich ist die Geschichte zu grotesk, um glaubwürdig zu sein. Gerade beginnen sich die Alliierten im Zweiten Weltkrieg durchzusetzen, dämmert es allen Beteiligten, dass Hitlers Traum vom Tausendjährigen Reich nicht mehr war als eine aberwitzig-grausame Selbstüberhöhung, da entscheidet sich der lettische Komponist und Dirigent Bruno Skulte, zu dieser Zeit Künstlerischer Leiter der Oper in Liepaja wie des heimatlichen Rundfunks, zur Flucht. Doch nicht die Vereinigten Staaten oder irgendein anderes freies Land sind sein Ziel. Skulte flieht nach Nazi-Deutschland.

Er findet dort relativ schnell Arbeit bei Rundfunksendern in Rostock und Berlin (jener Stadt, in der er vor dem Krieg bei Leo Blech seine Fähigkeiten als Dirigent verfeinert hatte) und gründet 1945 im niedersächsischen Oldenburg eine lettische Opernkompagnie, als deren Leiter er künftig fungiert und die ein Jahr nach Kriegsende mit Mascagnis «Cavalleria rusticana» ihren Exil-Einstand gibt. 

In Oldenburg entsteht auch jenes Werk, das danach (unvollendet) knapp 60 Jahre in den Schubladen liegt und erst 2003 instrumentiert wird: die Oper «Vilkacu Mantiniece», zu deutsch: «Die Erbin von Vilkaci», auf ein Libretto von Tonijas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2011
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Kulturoffensive

Schon 1936 wurde mit der Gründung des Palestine Symphony Orchestra der Grund­stein für das heutige Israel Philharmonic Orchestra gelegt. Das Konzertangebot in Jerusalem und vor allem Tel Aviv war immer und ist nach wie vor attraktiv. Doch die Oper hatte es nicht leicht. Das lag zunächst an der besonderen Situation des jungen Staates, der Pionier- und...

Starke Frauen

Ganz auf sich zurückgeworfen sind die 16 Nonnen in «Dialogues des Carmélites». In ihrer Lebensweise, in der Entscheidung gegen die (Außen-)Welt, auch in der Wahl des Märtyrertums. Am Tiroler Landestheater wird das erst recht augenfällig, wo die Oper in fast provozierender Kargheit gespielt wird, die Charaktere und Schicksale überdeutlich hervortreten lässt. Fast...

Mit Herz und Schmerz

Die Eröffnungspremiere in der Arena di Verona ist mal wieder eine Zitterpartie bis fast zur letzten Minute. Angstvoll wandern die Blicke der Besucher gen Himmel – doch das Wetter hält. Der angekündigte Regen fällt nicht, am Ende reißt sogar der nächtliche Himmel auf, und während Violetta Valéry ihr Leben aushustet, steigt direkt hinter Bühne goldgelb der Vollmond...