Leidenschaften ohne Maß

Mark Milhofer und Mirco Palazzi singen die Michelangelo-Lieder von Britten und Schostakowitsch

Opernwelt - Logo

Sein bildhauerisches und malerisches Œuvre ist hinreichend gewürdigt worden – kaum ein Kunstliebhaber kommt umhin, die Fresken dieses Künstler-Genies in der Sixtinischen Kapelle und an vielen anderen (sakralen) Stätten staunend zu bewundern.

Dass Michelangelo di Lodovico Buonarroti im Verlauf seines fast 90-jährigen schöpferisch schier un -erschöpflichen Lebens aber noch die Muße fand, mehr als 300 Sonette zu schreiben, in denen es, wie später bei Shakespeares uneinholbaren Werken desselben Genres, in erster Linie um die Liebe (respektive um ihre Abwesenheit und die daraus resultierende Einsamkeit des Individuums geht), das wird im ganzen Trubel um die Wirkmächtigkeit seiner bildnerischen Kunst gern unterschätzt.

Erst Hugo Wolf und Richard Strauss (wobei dieser nur ein kleines Madrigal zu Papier brachte) wandten sich dem dichterischen Werk Michelangelos zu. Es folgten mit Benjamin Britten und Dmitri Schostakowitsch zwei Tonsetzer, denen nicht nur die menschliche Stimme als Ausdrucksmöglichkeit sehr nahestand, sondern die in ihren (Bühnen-)Werken stets auch das verwundete und/oder einsame Subjekt in den Mittelpunkt stellten. Britten schrieb seine sieben Michelangelo-Lieder für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 66
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Élan vital mit Ecken

Würde man ein Bild finden müssen, das seine Musik einigermaßen präzise zu beschreiben vermag, so wäre es das eines Komponisten, der zwischen den Stühlen steht, sprich: zwischen zwei ästhetischen Narrativen. Verwundern darf dies nicht angesichts der Tatsache, dass Arthur Honegger als Kind von Schweizer Eltern geboren wurde, allerdings in der rauen normannischen...

Bilder des Schicksals

25. Juli 2025: Letzter Tag der «Ouverture spirituelle», des Einstiegsprogramms vor der eigentlichen Eröffnung der Salzburger Festspiele. Alexander Pereira hatte dieses Vor-Spiel 2012 als Dialog der Religionen in der katholischen Festivalstadt eingeführt. Heute versteht es Intendant Markus Hinterhäuser als «Reise durch die ganze Musikgeschichte – von der Renaissance...

Traumrolle Carmen

Das Schöne an sorgfältig geführten Archiven ist, dass man noch Jahrzehnte nach einer Aufführung seine Erinnerung auffrischen kann – und weil die Wiener Staatsoper über ein solches Archiv verfügt, ist es ein Leichtes, noch einmal jenen Septemberabend des Jahres 1998 heraufzubeschwören, als sich im Haus am Ring der Vorhang zu Georges Bizets «Carmen» hob, in einer...