Einsamer, verwirrter Ritter
Am Ende hat er alles verloren, der Ritter von der traurigen Gestalt: seine Bücher, die einen Abend lang die Bühne des Innsbrucker Landestheaters füllten, jetzt aber gen Himmel verschwinden; alle Menschen seines Lebens und damit die erträumten Figuren seiner Lektüre; schießlich sogar die Ärzte und Schwestern der psychiatrischen Klinik, als die sich seine Fantasie-Gespinste entpuppen. Denn auch sie wenden sich ab, einer nach dem anderen. Noch nicht einmal der treue Sancio Pansa wird als sein einziger Pfleger übrig bleiben.
Und weil das alles noch nicht schrecklich genug ist, spielt das Orchester dazu eine Bearbeitung des berühmten «La Follia»-Themas.
Dabei hatte alles heiter und unbeschwert begonnen, vielleicht sogar etwas langatmig, denn das Libretto von Pietro Pariati und die Inszenierung von Stephen Lawless brauchten einige Zeit, um in Fahrt zu kommen, alle Klischees vom tumben, hochgewachsenen Ritter und seiner Liebe zur unerreichbaren Dulchinea zu umschiffen und das hier dominierende Drama der Randfiguren aus der Vorlage zu schärfen. Viele schon in der Konzeption sehr unterschiedliche Versionen des Don-Quijote/Quichotte/Quixote-Stoffes nach dem Roman von Cervantes aus den Jahren ...
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