Das Schwere so leicht
Himmel, hilf! So wohl muss man die Worte verstehen, mit denen sich Ägyptens geplagte Königin an die Götter wendet, in der Hoffnung, sie mögen ihren Qualen ein Ende setzen. Gefühlt 99 Mal haucht Cleopatra die Worte «giusto ciel» in den imaginären Saal, und immer flehentlicher klingt diese évocation sentimentale, immer verzweifelter, vergeblicher. Keine Frage, die Welt (der Liebe) ist aus den Fugen zu Beginn der Arie «Se pietà di me non senti», einer der ergreifendsten Stücke aus Händels «Giulio Cesare in Egitto».
Wäre man göttlicher Natur, und sei es nur für eine Weltsekunde, man würde Cleopatras Verlangen auf der Stelle nachgeben, so berührend, so inniglich klingt dieses Lamento über den monoton dahintropfenden Streicher-Achteln und dem obligaten Fagott, wenn Jeanine De Bique es singt, hauchzart begleitet vom Concerto Köln unter der Leitung von Luca Quintavalle. Jeder Ton ein Juwel, aber nicht artifiziell hergestellt, um ein technisches Können zu zelebrieren oder Emotion vorzugaukeln. Nein, dieses bebende Begehren ist authentisch und dazu noch wunderschön stilvoll ausgeschmückt.
Doch diese Cleopatra kann auch anders. Graun-hafter könnte man kalauern. Aus dessen Oper «Cesare e ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: CD des Monats, Seite 29
von Jürgen Otten
Über Ruanda weiß man – wie über viele afrikanische Länder – zu wenig. Das, was man über Ruanda weiß, beschränkt sich in der Regel auf die Thematik des Genozids an den Tutsi, auf die Kolonialzeit. Die Installation «Rwandan Records» möchte – so verrät der Ankündigungstext – ein junges Ruanda zeigen, möchte den dort lebenden Menschen eine Stimme geben.
Hörbar gemacht...
Gemeinschaftskompositionen sind in der E-Musik selten – und werden meist etwas grimmig oder zumindest skeptisch, widerwillig rezipiert. So hört man die «Genesis Suite», zu der sich im Jahr 1945 Komponisten wie Schönberg, Milhaud und Strawinsky «zusammenfanden», um jeweils satzweise eine Geschichte aus dem Alten Testament zu vertonen, fast nie im Konzert. Das liegt...
Es ist weder die Frauenkirche noch das Maximilianeum, nicht einmal das Dach des benachbarten Nationaltheaters. Wenn Vladimir Jurowski aus seinem Büro schaut , blickt er auf Balkone vor schicken Wohnungen. «Wahrscheinlich wohnt da gar keiner», sagt er schulterzuckend. Anlageobjekte also? Auch diese Aussicht wäre damit typisch münchnerisch.
Wie man sieht, muss sich...
