Die Intelligenz der Gefühle
Gleich drei Ausstellungen hat Alexander Kluge in den vergangenen Monaten der Oper gewidmet: an seinem Geburtsort Halberstadt, in Ulm, wo er an der Hochschule für Gestaltung gemeinsam mit Edgar Reitz die Abteilung für Filmgestaltung leitete, und in Stuttgart, wo er bis in die Gegenwart hinein die Entstehung von Inszenierungen verfolgt. Die 400-jährige Geschichte der Kunstgattung gehört zu den lebenslangen Passionen des Filmemachers und Literaten, der sich in seinen Filmmontagen immer wieder künstlerisch mit der Oper auseinandersetzt.
Anfang August eröffnete der 88-Jährige bei den Salzburger Festspielen die Reihe «Reden über das Jahrhundert». Mit dem Maler Georg Baselitz (der eigentlich als sein Gesprächspartner eingeladen war) hat er kürzlich das Buch «Parsifal Kontainer» (Spector Books) herausgegeben: Es enthält die Skizzen zu Baselitz’ «Parsifal»-Ausstattung an der Bayerischen Staatsoper (2018); Kluge, der seit Langem in München lebt, steuerte Erzählungen und Material aus der Stoffgeschichte vor allem bei Wolfram von Eschenbach bei.
Herr Kluge, wie sind Sie zur Oper gekommen?
Mein Vater ist Theaterarzt, eigentlich Frauenarzt, er hat eine eigene Entbindungsklinik. Theaterarzt ist ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Interview, Seite 30
von Michael Stallknecht
Sie könnte die musikalische Gattung der Stunde sein. Weil sie den Menschen in nicht gerade einfachen Zeiten ein bisschen Ablenkung verschaffte, im besten Fall Unterhaltung auf hohem Niveau. Und weil sie immer flexibel auf die jeweiligen Gegebenheiten zu reagieren, sich ihnen anzupassen wusste. Diese Flexibilität zeichneten die Operette und ihre Macher von jeher...
Ganz allein sitzt er da. Einen Tisch, ein Glas Wasser, ein paar fliegende Notizen, den Laptop (sein elektronisches Archiv), eine Leinwand über dem Kopf – mehr braucht Alexander Kluge nicht, um in dem noch abgedunkelten «Elektra»-Raum ein komplettes Zentennium in Schwingung zu versetzen. Ach was, Millennien durchmisst er binnen einer guten Stunde – und die kosmische...
Zu Beginn zeichnen die Streicher ein unschuldiges Bibelidyll. Alessandro Stradella legt in der einleitenden Sinfonia seiner frühbarocken Vertonung des «Salome»-Stoffes gleichsam eine falsche Fährte. Schließlich steht bei ihm zunächst ja nicht – wie gut zwei Jahrhunderte später bei Richard Strauss – die im Markus-Evangelium namenlose Tochter der Herodias und deren...
