Zweite Reihe

Seit zehn Jahren leitet Alessandro De Marchi die Festwochen der Alten Musik in Innsbruck. Die jüngsten Fundstücke: Ferdinando Paërs «Leonora» und Alessandro Melanis «L’empio punito»

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Ein Horn begleitet die Titelheldin auch hier. Doch Klarinette und Fagott gesellen sich dazu, eine Zwiesprache, die weniger das Leid einer verklärten, vergötterten Heroine zum Ausdruck bringt als einer verletzten, zagenden Frau. Eine Nummer kleiner, das trifft es nicht ganz bei Ferdinando Paër und seiner 1804 in Dresden uraufgeführten «Leonora». Es ist, wenn man so will, der intimere Blick auf jene Vorlage, die Beethoven zu seiner Opern-Entgrenzung provozierte.  

Aus Ohr und Hirn bringt man den «Fidelio» beim Hören der kleineren Schwester nicht.

Zu offensichtlich nicht nur die textgleichen Stellen, zu auffällig auch manche klanglichen Allusionen: von der Arie der als Mann Maskierten bis zum Monolog des Eingekerkerten, der hier Florestano heißt. Immer wieder gab es Reanimationen der «Leonora» aus der Feder des Opernvielschreibers Paër. Nun also Innsbruck – die Festwochen der Alten Musik feiern damit nicht nur das Beethoven-Jahr, sondern auch das zehnjährige Festival-Jubiläum ihres künstlerischen Leiters Alessandro De Marchi.

Paër mag sich der Formelhaftigkeit des Nachbarocks bedienen und in den Secco-Rezitativen zu Stereotypen neigen. Es gibt ein klassisches Tumult-Finale am Ende ...

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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Markus Thiel

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