Zweite Reihe
Ein Horn begleitet die Titelheldin auch hier. Doch Klarinette und Fagott gesellen sich dazu, eine Zwiesprache, die weniger das Leid einer verklärten, vergötterten Heroine zum Ausdruck bringt als einer verletzten, zagenden Frau. Eine Nummer kleiner, das trifft es nicht ganz bei Ferdinando Paër und seiner 1804 in Dresden uraufgeführten «Leonora». Es ist, wenn man so will, der intimere Blick auf jene Vorlage, die Beethoven zu seiner Opern-Entgrenzung provozierte.
Aus Ohr und Hirn bringt man den «Fidelio» beim Hören der kleineren Schwester nicht.
Zu offensichtlich nicht nur die textgleichen Stellen, zu auffällig auch manche klanglichen Allusionen: von der Arie der als Mann Maskierten bis zum Monolog des Eingekerkerten, der hier Florestano heißt. Immer wieder gab es Reanimationen der «Leonora» aus der Feder des Opernvielschreibers Paër. Nun also Innsbruck – die Festwochen der Alten Musik feiern damit nicht nur das Beethoven-Jahr, sondern auch das zehnjährige Festival-Jubiläum ihres künstlerischen Leiters Alessandro De Marchi.
Paër mag sich der Formelhaftigkeit des Nachbarocks bedienen und in den Secco-Rezitativen zu Stereotypen neigen. Es gibt ein klassisches Tumult-Finale am Ende ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Markus Thiel
Als im Jahr 1722 der afghanische Stammesfürst Mir Mahmud Hotaki die persische Hauptstadt Isfahan eroberte und den Schah stürzte, da war das Thema auch in Hamburger Zeitungen. Die Ereignisse faszinierten offensichtlich so sehr, dass nahezu in Echtzeit ein Roman erschien, aus dem schon sechs Jahre später Georg Philipp Telemann eine Oper für das Haus am Gänsemarkt...
Michail Glinka war also Antisemit. Und deshalb darf die Berliner U-Bahn-Station «Mohrenstraße» nicht nach der Straße umbenannt werden, in der das Haus liegt, in dem der russische Komponist 1857 starb.
Mit Antisemitismus, Rassismus, Kolonialismus in der Operngeschichte ist es freilich eine vertrackte Sache. In Berlin hält die U-Bahn auch am «Richard-Wagner-Platz»....
Herr Williams, Sie haben als Musiklehrer angefangen ...
Mein Vater war Geschäftsmann. Profi-Musiker kamen in unserer Welt nicht vor. Natürlich hörte ich sie im Radio oder sah sie im Fernsehen, aber ich ging davon aus, dass sie das zum Spaß machen – denn was könnte Musik anderes sein?
Dabei waren Sie doch selbst, wie fast alle Sänger in Großbritannien, schon im...
