Ein Traum – das Leben
Es kann so einfach sein. Ein kleiner Trick, ein genaues Lesen, und schon entsteht theatralische Wahrheit dort, wo man sie nie vermutet hätte. Denn seien wir ehrlich: Ist Donizettis «Lucrezia Borgia» nicht eigentlich ein Himmelfahrtskommando für jeden Regisseur? Gift und Gegengift, Mutterliebe und Muttermonster, Ehehölle und höllische Ehrbegriffe. Victor Hugo hat alles zusammengeklaubt, was die finstere Renaissance an Mord und Totschlag hergab. Der Name Borgia ist Programm. Und er ließ sich prächtig implantieren in die affektierte Düsternis der französischen Romantik.
Wenn Donizetti das Ganze mit Harfenglitzern und melodischer Edeldiskretion beleuchtet, wird es kaum logischer. Oder doch?
Christof Loy versucht auf der leeren, nur aus abgenutztem Bretterboden und einer halbhohen Rückwand mit den neonbeleuchteten Lettern der Titelfigur bestehenden Bühne gar nicht erst, eine Geschichte mit Anfang und Ende zu erzählen. Er nimmt den aktlangen Prolog als das, was er ist: eine Richtmarke für alles Folgende. Lucrezia und ihr Sohn Gennaro begegnen sich in einer Art Traumspiel. Nicht wirklich, aber eben doch viel scheuer, zärtlicher, wahrer, als es in der Realität je möglich wäre. Bei (fast) ...
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Da sitzt er nun am Lido in Venedig, so steif wie sein Anzug, und quält sich mit Selbstzweifeln, während die anderen dem bunten Strandtreiben nachgehen. Dichterfürst Gustav von Aschenbach ist vor einer Schaffenskrise nach Italien geflohen, aber seine Lebenslüge holt ihn unbarmherzig ein, und seine unterdrückten Triebe geraten in einen letztlich tödlichen Konflikt...
Frau Polaski, am Ende von Janáceks Oper muss die Küsterin für den Mord an Jenufas Kind in den Knast. Finden Sie das eigentlich gerecht?
Die Frage ist doch, was schlimmer ist: weiterzuleben und sich mit dem auseinandersetzen zu müssen, was man getan hat, oder etwa die Todesstrafe, die ja auch denkbar wäre. Ich bin mir da nicht sicher, was ich selbst wählen würde....
Im Musiktheater unserer Tage wird gern die kritische Philosophie als Stichwortgeber bemüht. Von Adorno bis zu Peter Sloterdijk und von Horkheimer bis zu Giorgio Agamben reicht die Palette der Vordenker, deren Analysen zum schlechten Stand der Welt die (im Programmheft mitgelieferte) Folie für manche Regiearbeit bilden, die eine radikale Neubefragung, wenn nicht...
