Ein Sturm ist ein Sturm
Stefan Zweig, der Librettist der «Schweigsamen Frau», kannte den Ablauf aus nächster Nähe: «Jede Art von Nervosität ist Strauss fremd, bei Tag und bei Nacht ist sein Kunstintellekt immer gleich hell und klar. Wenn der Diener an der Tür klopft, um ihm den Frack zu bringen zum Dirigieren, steht er auf von der Arbeit, fährt ins Theater und dirigiert mit der gleichen Sicherheit und der gleichen Ruhe, wie er nachmittags Skat spielt ...
» Was auch immer in Strauss vorgegangen ist: Die wenigen Filmdokumente, die es von ihm als Dirigent gibt, belegen – wie die Berichte der Zeitgenossen – eine reduzierte, fast emotionslose Zeichengebung. Die Bewegungen der rechten Hand blieben klein, die linke war fast nur zum Dämpfen der Lautstärke da. Der Blick allerdings, überaus wach und scharf, hielt Orchestermusiker und Ablauf in Schach.
Strauss wuchs im Orchester auf. Sein Vater war Solohornist im Münchner Hoftheater, spielte in dieser Funktion in Bayreuth, was den Filius nachhaltig prägte. Mit zwanzig steht er erstmals selbst am Dirigentenpult, wenige Monate später ist er schon in Meiningen engagiert. Sein bedeutender Förderer Hans von Bülow hat das durchgesetzt. Über eine Kapellmeisterstelle und ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Stephan Mösch
Drei Jahrzehnte waren ihr zunächst vergönnt. Beginnend mit der Uraufführung im April 1801 zur Eröffnung des Teatro Nuovo in Triest, dem heutigen Teatro Verdi, bis zu einer noch verbuchten Produktion in Palermo anno 1831. Dann sah es lange düster aus für «Ginevra di Scozia» von Simon Mayr. Für den dreistündigen Zweiakter bediente sich der bayrisch-italienische...
Am Ende steht ein roter Punkt. Er prangt auf einem überdimensionalen Schwarzweißfoto, das die tote Mimì zeigt. Schon drängen sich die Atelier-Besucher um das Bild der Toten. Das Sterben als Attraktion, als Kunstwerk, als Ware. Tod geht immer gut. Eine sichere Nummer auf jeder Vernissage. Das Bild der Hingegangenen mit rotem Punkt – schon verkauft.
Andrea Moses hat...
Hasst der Regisseur die Musik? Hadert er mit diesem Zwitterstück, das weder Oper noch Oratorium ist? Das Hector Berlioz als légende dramatique bezeichnete, das 1846 konzertant uraufgeführt, aber erst 1893, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Komponisten, an der Pariser Opéra comique in Szene gesetzt wurde? Man könnte das meinen, wenn man sieht, wie der...
