Ein spätes Debüt
Fast wäre Siegmund rausgeflogen. Ausgerechnet bei «Winterstürme wichen dem Wonnemond», einem Schlager des «Ring», meist auch ein Stück wohliger Lyrik, eines, bei dem man Stimme zeigen kann, ohne sich allzu viel anzustrengen. Nicht so, wenn Marek Janowski dirigiert. Dass dieser Siegmund buchstäblich von Hunden gehetzt ist, geächtet und mit dem Tode bedroht, das bleibt in jedem Moment hörbar. Der Einbruch des Frühlings: ein flüchtiger Moment des Innehaltens. Der Drang zur Schwester: nix Liebesidyll, sondern Auftakt zur Flucht ins Ungewisse.
Marek Janowski: ein später Bayreuth-Debütant. Zwischen 1980 und 1983 hatte er mit der Dresdner Staatskapelle einen orchestral virtuosen «Ring» aufgenommen, war Musikchef in Freiburg, Dortmund und Köln, leitete Orchester in Paris und Genf, dirigierte in aller Welt, formte das RSB zu einem Klangkörper, der sogar Berlins Philharmoniker ausstechen konnte. Trotz Platten, Preisen und konzertanten Aufführungen hielt er sich seit einem Vierteljahrhundert von der Bühne fern. Zu viele Regie-Mätzchen, befand er, zu wenig Raum für die Musik.
Und nun das: Janowski dirigiert den «Ring» in Bayreuth, ausgerechnet Frank Castorfs Inszenierung. Wo doch Castorf ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 7
von Stephan Mösch
Im letzten Jahr ist eine fünfstündige Film-Dokumentation über die Entstehung des Mannheimer «Ring»-Zyklus erschienen. Man sieht alle Beteiligten auf der Bühne wie in den Werkstätten, vom Regisseur Achim Freyer bis zur Souffleuse und den Statisten. Nur einer bleibt ausgespart: der Opernintendant Klaus-Peter Kehr. Man hört lediglich seine Stimme aus dem Off, als er...
Auf dem Cours Mirabeau und den anderen platanenumsäumten Boulevards flaniert sich’s wie immer, aber an Brennpunkten des öffentlichen Lebens wird die Veränderung doch merklich. Die liberté aus der Wunschparole der großen Revolution wird von der sécurité angefressen, und wo, bitte schön, ist die fraternité geblieben? Egalité wird an den Festspieleingängen...
Gerade ist in Verona das Arena Opera Festival 2016 zu Ende gegangen. Wie so oft in den vergangenen Jahren erlaubte die angespannte finanzielle Situation nur einen eher müden Spielplan mit notdürftig aufgepeppten Altinszenierungen der «Aida», «Carmen», «Turandot», «Traviata» und des «Trovatore». Als einzige Neuerung im Déjà-vu waren zwei Leuchttafeln für Untertitel...
