Ein sehr gut gekanntes Märchen

Wagner: Siegfried am Theater Brüssel

Opernwelt - Logo

Im April erst hatte der Intendant Peter de Caluwe bekannt gegeben, dass sich der Castellucci-Ring der Monnaie nicht runden würde und dass mit dem «Siegfried» nun Pierre Audi übernehmen sollte. Solche Kurzfristigkeit grenze im Opernbetrieb ans Unmögliche, bekräftigten der Intendant und sein neuer Regisseur noch einmal vor der Premiere: Doch müsse man in der Kunst eben das Unmögliche möglich machen. Romeo Castelluccis Visionen für einen neuen Brüsseler Ring hatten sich, nach der ersten Halbzeit jedenfalls als eine Unmöglichkeit zuviel erwiesen.

Zu viel Film, zu viele KI-Träume, zu viel «Deep Fake»-Technologie, dafür zu wenig Budget. So steht man im neuen «Siegfried» an der Bruchkante einer in der Rezeptionsgeschichte wohl erst -maligen Zweiteilung einer «Ring»-Regie. Dass die ersten Abende vor allem von den Göttern, Teil drei und vier von den Menschen Siegfried und Brünnhilde handeln; dass Wagner selbst ja im zweiten «Siegfried»-Akt die Arbeit unterbrochen hatte – das alles sind natürlich keine künstlerischen Argumente. Hier ging es, pragmatisch, ums Weitermachen, um die Vermeidung einer «Ring»-Ruine, und dafür schien der Routinier Audi, der das Stück schon in Amsterdam inszeniert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Holger Noltze

Weitere Beiträge
Vielleicht doch besser am Broadway?

Jeanine Tesori hat einige der originellsten und bewegendsten Bühnenwerke der jüngeren Broadway-Geschichte geschaffen, darunter «Caroline, or Change» (2004, gemeinsam mit dem Drehbuchautoren und Schriftsteller Tony Kushner), «Fun Home» (2011) und «Kimberly Akimbo» (2021). Ausgebildet und geübt sowohl in klassischem als auch populärem Stil und Repertoire, hat Tesori...

Wege durchs Labyrinth

Gespräch in einem Bayreuther Wirtsgarten. «Der wos do singt, der führt aa Regie», weiß eine schon betagte Dame, die sich zu einem ungefähr gleichaltrigen Paar an einen Tisch gesellt hat. Tiefen Eindruck erzielt sie mit der Aussage nicht. Die Dame ihr gegenüber schweigt, der Herr erwidert in lakonischem Bayreuther Dialekt: «Dees is mir worschd, mich wer’n die doo...

Unwiderstehlich

Alexander Zemlinskys «Florentinische Tragödie» ist ein Werk von klaustrophobischer Dramatik: ein einziger Raum, darin drei Personen, die eine klassische Dreiecksgeschichte verhandeln. Zu einem Paar, das die gegenseitige Aufmerksamkeit für einander verlernt hat (oder sie noch nie besaß), gesellt sich ein junger Adeliger, der mit der Dame des Hauses nicht allzu...