Ein sehr gut gekanntes Märchen
Im April erst hatte der Intendant Peter de Caluwe bekannt gegeben, dass sich der Castellucci-Ring der Monnaie nicht runden würde und dass mit dem «Siegfried» nun Pierre Audi übernehmen sollte. Solche Kurzfristigkeit grenze im Opernbetrieb ans Unmögliche, bekräftigten der Intendant und sein neuer Regisseur noch einmal vor der Premiere: Doch müsse man in der Kunst eben das Unmögliche möglich machen. Romeo Castelluccis Visionen für einen neuen Brüsseler Ring hatten sich, nach der ersten Halbzeit jedenfalls als eine Unmöglichkeit zuviel erwiesen.
Zu viel Film, zu viele KI-Träume, zu viel «Deep Fake»-Technologie, dafür zu wenig Budget. So steht man im neuen «Siegfried» an der Bruchkante einer in der Rezeptionsgeschichte wohl erst -maligen Zweiteilung einer «Ring»-Regie. Dass die ersten Abende vor allem von den Göttern, Teil drei und vier von den Menschen Siegfried und Brünnhilde handeln; dass Wagner selbst ja im zweiten «Siegfried»-Akt die Arbeit unterbrochen hatte – das alles sind natürlich keine künstlerischen Argumente. Hier ging es, pragmatisch, ums Weitermachen, um die Vermeidung einer «Ring»-Ruine, und dafür schien der Routinier Audi, der das Stück schon in Amsterdam inszeniert ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Holger Noltze
Historiker sprechen, wenn sie die politische Geschichte Spaniens etwa zwischen 1550 und 1650 in Augenschein nehmen, meist vom Siglo de Oro, vom Goldenen Zeitalter. Und nicht nur ist damit der Machteinfluss des einst ruhmreichen (und ausdehnungsfreudigen) Landes bezeichnet, sondern vor allem eine Zeit kultureller Blüte. Wenn Saioa Hernández ihr neues Album mit Arien...
Das Wort prangt in großen Leuchtbuchstaben auf der Rückwand des zweistöckigen, aus farbigen Leuchtkästen gefügten Kubus: «Innocence». Für die deutsche Premiere der gleichnamigen Oper von Kaija Saariaho hat Bühnenbildnerin Ines Nadler diesen Würfel auf die Bühne des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier platziert. Zehn Schülerinnen und Schüler sowie ein Lehrer...
Da ist er wieder, der König mit den zwei Körpern. Nicht dauerhaft, aber immer dann, wenn es eng wird, wenn es darum geht, den Gang der Dinge zu beeinflussen, geistert ein maskierter Mann um Idomeneo herum, erst stumm, mit wild-dämonischem Gebaren, später auch als Kommentator. Ein bisschen Mephisto, ein bisschen Derwisch, ein bisschen tanzaffiner Narr, jedenfalls...
