Ein sehr gut gekanntes Märchen

Wagner: Siegfried am Theater Brüssel

Opernwelt - Logo

Im April erst hatte der Intendant Peter de Caluwe bekannt gegeben, dass sich der Castellucci-Ring der Monnaie nicht runden würde und dass mit dem «Siegfried» nun Pierre Audi übernehmen sollte. Solche Kurzfristigkeit grenze im Opernbetrieb ans Unmögliche, bekräftigten der Intendant und sein neuer Regisseur noch einmal vor der Premiere: Doch müsse man in der Kunst eben das Unmögliche möglich machen. Romeo Castelluccis Visionen für einen neuen Brüsseler Ring hatten sich, nach der ersten Halbzeit jedenfalls als eine Unmöglichkeit zuviel erwiesen.

Zu viel Film, zu viele KI-Träume, zu viel «Deep Fake»-Technologie, dafür zu wenig Budget. So steht man im neuen «Siegfried» an der Bruchkante einer in der Rezeptionsgeschichte wohl erst -maligen Zweiteilung einer «Ring»-Regie. Dass die ersten Abende vor allem von den Göttern, Teil drei und vier von den Menschen Siegfried und Brünnhilde handeln; dass Wagner selbst ja im zweiten «Siegfried»-Akt die Arbeit unterbrochen hatte – das alles sind natürlich keine künstlerischen Argumente. Hier ging es, pragmatisch, ums Weitermachen, um die Vermeidung einer «Ring»-Ruine, und dafür schien der Routinier Audi, der das Stück schon in Amsterdam inszeniert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Holger Noltze

Weitere Beiträge
Die Grammatik der Schöpfung

Am Anfang war das Nichts (das aber, wie Hegel zu Recht anmerkte, nicht das reine Nichts ist, sondern ein Nichts, von dem etwas ausgehen soll), die klaffende Leere als denkbar kleinste Existenz. Wie es darin aussah, wissen wir nicht. Aber ein wenig, was sich danach ereignete: ein lauter Knall, 13,8 Milliarden Jahre vor unserer Zeit, oder, je nach Blickwinkel, die...

Hexenjagd

Gewöhnlich gibt es zu jeder Respighi-Aufführung eine journalistische Begleitkapelle, die stets dasselbe Thema variiert: sein Verhältnis zum Faschismus. Auch wir wollen von diesem Brauch nicht abweichen, umgeben doch «La fiamma» (Die Flamme) derart viele verdächtige Legenden wie sonst nur noch «I pini della Via Appia», den berüchtigten Orchestermarsch römischer...

Flucht in eine andere Welt

Die Programmwahl schmeckt nach einem Geschenk für den GMD. Einmal weg von der kleineren Dimension am mittleren Haus, endlich das «große» Ding drehen. Kompromisse? Egal, Augen zu und durch die Partitur hindurch. Genau das ist im Theater Regensburg nicht passiert. «Tristan und Isolde» mag dort für hochgezogene Augenbrauen sorgen, treibt aber dennoch einige...