Wege durchs Labyrinth
Gespräch in einem Bayreuther Wirtsgarten. «Der wos do singt, der führt aa Regie», weiß eine schon betagte Dame, die sich zu einem ungefähr gleichaltrigen Paar an einen Tisch gesellt hat. Tiefen Eindruck erzielt sie mit der Aussage nicht. Die Dame ihr gegenüber schweigt, der Herr erwidert in lakonischem Bayreuther Dialekt: «Dees is mir worschd, mich wer’n die doo ned sehng …» Auch so kann man über das Bayreuth Baroque Opera Festival urteilen.
Es ist vielleicht nicht ungewöhnlich für ein gewisses latentes Fremdeln der einheimischen Bevölkerung mit ihren Kulturgrößen.
An Wagner hat man sich nolens volens gewöhnt über all die Jahrzehnte. Aber dass das mittlerweile zum UNESCO-Welterbe erhobene Opernhaus der Markgräfin Wilhelmine nun auch Schauplatz eines weiteren internationalen Festivals ist, scheint auch im fünften Jahr von dessen Bestehen noch kontrovers diskutiert zu werden. Selbst im Stadtrat sähe eine – glücklicherweise – Minderheit die derzeit rund 300.000 Euro städtischen Zuschüsse bei einem Festival-Gesamtetat von rund zwei Millionen Euro lieber anderswo angelegt …
Gleichviel: Das elftägige Festival, das sich keineswegs auf den Schauplatz Markgräfliches Opernhaus beschränkt, ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Alexander Dick
Da sitzen sie also, die beiden Alten, am Ende der «Götterdämmerung», jeweils an den Stirnseiten der langen Tafel, einem Kernrequisit des neuen Basler «Rings». Zwischen ihnen nur der verfluchte Reif. So nicht alles täuscht, hat die Regie jenen letzten Ausruf in der Tetralogie «Zurück vom Ring» zuvor nicht Hagen, sondern Wotan singen lassen. Will heißen: Keiner hat...
Wie zusammenfügen, was sich widerspricht? Erst recht in einem Fall wie «Ariadne auf Naxos» von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss, wo ein begüterter Auftraggeber zusätzlich zur bestellten Opera seria nach einer Opera buffa ruft und außerdem verlangt, dass die beiden Stücke gleichzeitig aufgeführt werden? Ende 2006, bei der letzten Aufführung von «Ariadne auf...
Die Programmwahl schmeckt nach einem Geschenk für den GMD. Einmal weg von der kleineren Dimension am mittleren Haus, endlich das «große» Ding drehen. Kompromisse? Egal, Augen zu und durch die Partitur hindurch. Genau das ist im Theater Regensburg nicht passiert. «Tristan und Isolde» mag dort für hochgezogene Augenbrauen sorgen, treibt aber dennoch einige...
