Vielleicht doch besser am Broadway?
Jeanine Tesori hat einige der originellsten und bewegendsten Bühnenwerke der jüngeren Broadway-Geschichte geschaffen, darunter «Caroline, or Change» (2004, gemeinsam mit dem Drehbuchautoren und Schriftsteller Tony Kushner), «Fun Home» (2011) und «Kimberly Akimbo» (2021).
Ausgebildet und geübt sowohl in klassischem als auch populärem Stil und Repertoire, hat Tesori zudem mehrere Opern geschrieben, darunter zwei, die beim Glimmerglass Festival uraufgeführt wurden: 2011 «A Blizzard on Marblehead Neck» (wiederum mit Kushner) und vor fünf Jahren «Blue» (mit Tazewell Thompson), ein ergreifendes Stück über die Auswirkungen von Polizeigewalt auf die schwarze Community.
Es war also durchaus naheliegend, dass die Metropolitan Opera – in Kooperation mit der Washington National Opera – ein Stück bei Tesori in Auftrag gab. «Grounded» ist die erweiterte Version eines kraftvollen Monodrams, das der Dramatiker George Brant 2013 über eine allmählich desillusionierte Kampfpilotin aus dem Golfkrieg schrieb. Brant erstellte nun auch das Libretto. Die Uraufführung von «Grounded» im Oktober 2023 an der Washington National Opera erhielt gemischte Kritiken; insbesondere die hochbegabte kanadische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2024
Rubrik: Magazin, Seite 78
von David Shengold
Verdis «La traviata» gehört zu den weltweit populärsten Werken des Musiktheaters. Dass sie mehr zu bieten hat als nur Ohrwürmer einer romantischen Passion, dass schon hier und nicht erst im «Otello» oder «Falstaff» jede Note zählt, wird allzu häufig vergessen, weil der Theaterschlendrian zahllose Feinheiten und damit die dramatische Wahrheit der Partitur einebnet....
Wie hat es der Schriftsteller und Dramatiker Peter Hacks einmal so lakonisch-scharfsinnig formuliert: Kunst ist immer in lausigen Zeiten. Betrachtet man die Gegenwart, stellt sich der Eindruck ein, dass es gerade besonders lausige Zeiten sind, vor allem wenn sich der Blick in den Nahen Osten wendet, wo die «Kommunikation» zwischen den verfeindeten Lagern nur noch...
Da sitzen sie also, die beiden Alten, am Ende der «Götterdämmerung», jeweils an den Stirnseiten der langen Tafel, einem Kernrequisit des neuen Basler «Rings». Zwischen ihnen nur der verfluchte Reif. So nicht alles täuscht, hat die Regie jenen letzten Ausruf in der Tetralogie «Zurück vom Ring» zuvor nicht Hagen, sondern Wotan singen lassen. Will heißen: Keiner hat...
