Ein Quantum Quatsch

Donizetti: L’elisir d’amore MÜNCHEN | STAATSTHEATER AM GÄRTNERPLATZ

Opernwelt - Logo

Nach dieser Premiere stellt sich vor allem eine Frage: Weshalb ist Michael Balke «nur» Erster Gastdirigent am Gärtneplatzttheater? Denn was man gerade erlebt hat, in Donizettis «L’elisir d’amore», war ein Musterbeispiel für ein symbiotisches Musizieren auf höchstem Niveau. Orchester und Dirigent scheinen sich bestens zu verstehen, alles wirkt selbstverständlich und vollkommen zwingend. Balke gelingt es, jeden der 1001 Einfälle Donizettis auszuformulieren, ohne je den Gesamtzusammenhang aus dem Blick zu verlieren.

Er verfügt über einen großen musiktheatralischen Instinkt, und das Orchester macht fröhlich mit, dankt ihm mit Glanz, Drive und einem federleichten, bezaubernden Spiel. Das ist ein Topniveau, auf dem sich auch Chor und Solistenensemble bewegen.

Es geht in Donizettis lustiger Oper immer noch um Nichts, aber dieses Nichts macht hier sehr viel Spaß. Als wäre Dirk Schmeding mitgerissen von dem, was aus dem Graben kommt, inszeniert er ebenso federleicht, mit dem nötigen Quantum Quatsch, voller herrlicher Einfälle. Die Bühne von Martina Segna deutet comic-haft ein heißes Italien an: Die Sonne hängt tief und ist eine Zitronenscheibe, die Gassen sind mit Wellpappe markiert, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Egbert Tholl

Weitere Beiträge
Wo aber sind die Genies?

Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi war der Erste. Unter seinem Künstlernamen Pietro Metastasio schrieb der italienische Dichter Hunderte von Libretti, die nicht nur den Grundstein für eine außergewöhnliche Kunstform legten, sondern zugleich ihren fortwährenden Ruhm begründeten; noch heute betören Metastasios Schöpfungen durch ihren Erfindungsreichtum,...

Radikal frugal

Dieser Gounod legt die Axt an die Wurzel. «Uns interessierte vor allem die Leere», hieß es schon vor der Premiere, aber Bühnen- und Kostümbildner dürften doch andere Ambitionen gehabt haben als die Regisseurin. Es sei denn, sie arbeiten nicht gern. Viel zu tun gab es jedenfalls nicht für sie. Das Libretto sieht sechs Szenenwechsel vor – hier findet der Fünfakter in...

Das Monster Mensch

Der Mann war ein Unhold. Ihm mit Kunst zu «begegnen», darf als Wagnis gelten – welches aber, obschon auf verschiedenste Weise, gelingen kann. Bei den Filmfestspielen in Cannes kam Mitte Mai ein Film heraus, der vom «Verschwinden des Josef Mengele» erzählt – zunächst von dessen Flucht nach Südamerika, dem geheimen Besuch der BRD, von seiner Hochzeit in Argentinien,...