Ein Meilenstein
Schon lange ist das Grabsingen an der letzten Ruhestätte Wagners hinter «Wahnfried» Tradition. Alljährlich versammelt sich dort der Bayreuther Festspielchor zu Festivalbeginn. Wagners Grab stellt der Regisseur Manuel Schmitt nun im «Lohengrin» auf die Bühne. Dort spielt sich ein Prozess ab – in einem von Kriegsschäden gezeichneten Gerichtsgebäude.
Das Verfahren um Elsa von Brabant ist ein Streit ums Erbe des verstorbenen Herzogs von Brabant, hier ist es ein Streit um die künstlerische Macht vor dem Grabhügel, der zwar für den Herzog bestimmt ist, aber eindeutig an den des Komponisten erinnert. Elsa ist zigarettenrauchend und mit einem Wagner-Barrett auf dem Kopf eine Reminiszenz an Winifred Wagner, die sich den wagnerbegeisterten Hitler als Unterstützer an die Seite nahm. Entsprechend verkörpert Pauliina Linnosaari eine eher gereifte Elsa und keine jugendliche Unschuld. Sie hat eine starke, selbstbewusste Stimme, die allerdings auch ihre vibratobelasteten Grenzen hat. Ihr Ritter im weißen Hemd und in wasserblauer Hose kommt aus einem Bereich jenseits der Bühne. Er sitzt im Zuschauerraum und wird durch einen Lichtspot aus dem Publikum herausgegriffen.
Mit einer berüchtigten ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Bernd Künzig
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