Ein Mann für alle Fälle
Herr Papendell, schaut man auf Ihre Website, entsteht der Eindruck eines Menschen, der seinen Beruf durchaus augenzwinkernd betrachtet. Stimmt dieser Eindruck?
In gewisser Weise schon, obwohl die Website nicht auf dem allerneuesten Stand ist; die Fotos sind fünf, sechs Jahre alt, ich sollte sie mal erneuern (lacht).
Aber im Ernst: Ich bin nun schon so lange an der Komischen Oper Berlin, dass ich tatsächlich manchmal schmunzeln muss, wenn ich miterlebe, wie wichtig manche Sänger sich und ihre Kunst mitunter nehmen – und das eben weit mehr, als ich das von meinen Kollegen am Haus gewohnt bin. An der Komischen Oper lernt man zum Glück sehr gut, wie man mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt. Und das ist in diesem Metier eben so einfach dann doch nicht.
Warum ist die Distanz zum Job so wichtig? Um Stimme, Gesundheit, womöglich gar um die Seele zu erhalten? Frisst die Arbeit einen sonst auf? Wird man durch Eitelkeiten aufgerieben?
Zunächst: Eitelkeit hat in der Kunst absolut nichts zu suchen. Und gerade an der Komischen Oper hält sich das sehr in Grenzen. Ich habe zahlreiche Kollegen, die Sachen auf der Bühne machen, von denen ich zunächst denken würde, dass der Regisseur das nicht von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Interview, Seite 36
von Jürgen Otten
Die Alten, für die Pest und Cholera, Krieg und Typhus zum Alltag gehörten, kannten das Kunstgewerbe der Negativität noch nicht. Sie waren sich ihres Lebens nicht sicher genug, um sich mit schlechten Aussichten interessant zu machen. Weil die Bedrohung des Lebens so real war, gab es eine Pflicht zum lieto fine, zum heiteren Ende. Denn aller Pessimismus ist viel...
Nach 66 Minuten fängt das Leben an. Das Leben in Freiheit, als lange schon gehegter Wille und Wunsch. Eine Tür wird zur Seite geschoben, Luft (von anderen Planeten?) strömt herein, nur eine Jalousie versperrt noch den Weg ins Licht. Doch just in diesem Augenblick endet alles: die Musik, die Worte und Stimmen, der Gesang, die Bewegung. Und plötzlich wirkt die Große...
Es lockt erst einmal alles in die falsche Richtung. Barrie Kosky, der Operetten-Derwisch, inszeniert einen Berlin-Abend mit Schlagern der 1920er- und 1930er-Jahre, arrangiert rund um eine Klassik-Diva. Das kleine Orchester auf der Vorbühne schraubt sich schamlos in die Romaklänge von Nico Dostals «Heut’ Abend lad ich mir die Liebe ein!». Ein letzter Taumel aus dem...
