Ein Mann für alle Fälle

Günter Papendell gebietet über eine famose, technisch ausgereifte und kerngesunde Baritonstimme, die ihm Ausflüge in sämtliche Repertoireecken ermöglicht, zu Monteverdi und Mozart, zu Verdi und Wagner, zu Tschaikowsky und Schostakowitsch, zu Puccini und Parra. Ein Gespräch über tolle Lehrer, außergewöhnliche Sänger, Drogen auf der Bühne und die besonderen Eigenschaften Don Giovannis

Herr Papendell, schaut man auf Ihre Website, entsteht der Eindruck eines Menschen, der seinen Beruf durchaus augenzwinkernd betrachtet. Stimmt dieser Eindruck?
In gewisser Weise schon, obwohl die Website nicht auf dem allerneuesten Stand ist; die Fotos sind fünf, sechs Jahre alt, ich sollte sie mal erneuern (lacht).

Aber im Ernst: Ich bin nun schon so lange an der Komischen Oper Berlin, dass ich tatsächlich manchmal schmunzeln muss, wenn ich miterlebe, wie wichtig manche Sänger sich und ihre Kunst mitunter nehmen – und das eben weit mehr, als ich das von meinen Kollegen am Haus gewohnt  bin. An der Komischen Oper lernt man zum Glück sehr gut, wie man mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt. Und das ist in diesem Metier eben so einfach dann doch nicht.

Warum ist die Distanz zum Job so wichtig? Um Stimme, Gesundheit, womöglich gar um die Seele zu erhalten? Frisst die Arbeit einen sonst auf? Wird man durch Eitelkeiten aufgerieben?
Zunächst: Eitelkeit hat in der Kunst absolut nichts zu suchen. Und gerade an der Komischen Oper hält sich das sehr in Grenzen. Ich habe zahlreiche Kollegen, die Sachen auf der Bühne machen, von denen ich zunächst denken würde, dass der Regisseur das nicht von ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Interview, Seite 36
von Jürgen Otten

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