Ein Kraftwerk für Gefühle
Columbus, Ohio, das ist, nun ja, nicht die allererste Adresse, um als Künstler erfolgreich zu sein. Also packen Ruth und Eileen Sherwood die Koffer und fahren nach New York. Ruth will dort als Schriftstellerin reüssieren, ihre Schwester Eileen als Schauspielerin.
Dass es dazu einiger erstaunlicher Peripetien bedarf, beschreibt Leonard Bernsteins Musical «Wonderful Town» nach der Vorlage von Joseph Fields und Jerome Chodorov, mit Liedtexten von Betty Comden und Adolph Green und einer Musik, deren Zauber neben melodiöser Eleganz und flotten Rhythmen insbesondere eines ausmacht: Tempo.
Es ist das Tempo New Yorks. Und eben das sehen wir in der überdrehten Inszenierung von Matthias Davids im ständig changierenden, mit Videos verfeinerten Bühnenbild von Mathias Fischer-Dieskau. Alles, was hier geschieht, auch im Graben, wo Peter Christian Feigel ein hellwaches Orchester anführt, geschieht wie in einem Drehkreisel: quirlig, sprühend, kurz: als wonderful action. Mittendrin Ruth und Eileen, die eine unerschrocken trotzig, die andere blühend naiv. Das Glück des Regisseurs will es, dass er in Sarah Schütz und Olivia Delauré zwei extrem wandlungs- und tanzfähige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf deutschen Bühnen begegnet man Maurice Ravels einaktiger musikalischer Komödie «L’heure espagnole» (1911) vergleichsweise selten, auf Tonträgern ist sie jedoch eindrucksvoll repräsentiert. Eine erste Gesamtaufnahme, die vom Komponisten selbst beaufsichtigt wurde, erschien bereits 1929, nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen sich Dirigenten-Koryphäen wie René...
In einem Interview mit dem Berliner «Tagesspiegel» hat Barrie Kosky bereits 2013, kurz nach seinem Amtsantritt als Intendant der Komischen Oper, den Dreisatz verraten, mit dem er die in Deutschland so schlecht beleumundete Operette zu neuem Leben erwecken will: «Du musst den Stil lieben, du musst die Stücke mit Stars besetzen, und du musst dich darauf ...
Es ist noch nicht lange her, dass Pergolesis «Stabat mater» wie selbstverständlich zum Repertoire von Opernstars wie Mirella Freni oder Teresa Berganza gehörte und von diesen in jenem Stil gesungen wurde, den sie auch auf der Bühne pflegten. Wie eine Vielzahl von Aufnahmen belegt, ist das Werk mittlerweile zur Domäne von Sängerinnen und Sängern geworden, die...
