Ein kleines Wunder
Rodion Schtschedrins erstes Bühnenwerk «Nicht nur Liebe» markierte 1961, zu Zeiten der relativen Entspannung durch Chruschtschows Politik, eine bedeutende Wende in der sowjetischen Oper. Das stilistisch innovative Werk, ein postmodernistisches Zusammenspiel aus verschärfter Rhythmik à la Strawinsky und vertiefter Dramatisierung à la Mussorgski, zog sofort große Aufmerksamkeit auf sich. Boris Pokrovsky, der seinerzeit gegen den Konservatismus des Bolschoi-Theaters ankämpfte und 1972 das Kammermusiktheater gründete, verstand seine Inszenierung auch als eine Art Initiation.
Die Neuproduktion der Oper im Moskauer Stanislawski- und Nemirowitsch-Dantschenko Musiktheater bildete eine große Neuheit in der russischen Hauptstadt. Zu danken war ihr Zustandekommen der Initiative von Felix Korobow, dem GMD des Hauses, der am Premierenabend auch am Pult stand und die zurückhaltende, oft intime, tiefschürfende Musik sorgfältig in jedem Takt ausbalancierte. Die ganze Tristesse, Verzweiflung und Aussichtslosigkeit fand durch sein Dirigat gleichsam eine klingende Entsprechung.
Jewgenij Pisarews Inszenierung wirft in den ersten beiden Akten Fragen auf. Während das Bühnenbild von Maxim Obrezkov durch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Alexej Parin
Der «Lear» machte ihn 1978 schnell berühmt. Nicht nur durch die Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper: Es waren kleinere Häuser wie Düsseldorf, Nürnberg und Oldenburg, in denen diese Oper sofort fesselte. Nahezu haptisch greifbare Cluster, Akkordwände, die scharf kontrastieren zu äußerster melodischer Verdichtung, Einsamkeit, Innigkeit: Aribert Reimann schrieb...
Altehrwürdig
Friedrich Schiller war Stammgast in Altenburg. Seine Stücke wurden im Herzoglichen Hoftheater regelmäßig gespielt. Dazu Opern von Wagner, Bizet und Weber. Seit einiger Zeit ist das Theater geschlossen, gespielt wird in einem Theaterzelt. Zum Auftakt unserer Serie «Opernwelt auf Landpartie» fahren wir hin und schauen uns um
Neugierig
Seine Lehrer waren...
Auf dem Parnass muss es wohl wunderbar sein. Dort, wo nicht nur Apoll mit seinen neun Musen lustwandelt, sondern vermutlich auch jene gerechten Götter wohnen, die Cleopatra in ihrem aus Seide gewebten fis-Moll-Largo «Se pietà» um Beistand anfleht, wähnen die Irdischen ein Idyll, welches sie auf Erden vergeblich suchen, und seien sie noch so begabt in den...
