Es war einmal ...
Auf der Milchstraße, nachts um halb eins, kann man ihn sehen. Jedoch nicht in Reinkultur erscheint der stolze Schwan dort droben. Sondern als Sternbild im Sommerhimmel. Jeder Irrtum ist ausgeschlossen: Seine Linien sind, so man das richtige Teleskop zur Verfügung hat, klar erkennbar. Elsa von Brabant und ihr liebend-geliebter (von einer ebenso wie er in unschuldiges Weiß gewandeten Gruppe junger Menschen umgebener) Bruder Gottfried benötigen derlei technische Hilfe eigentlich gar nicht, um sich verzaubern zu lassen. Der Schwan ist auch so deutlich genug zu sehen.
Und auch als symbolisches «Sternzeichen» passt das sehr gut zu den ätherischen A-Dur-Klängen des Vorspiels, die bei GMD Aziz Shokhakimov und seinem Orchestre philharmonique de Strasbourg selbst in den geteilten Violinen allerdings nicht gar so ätherisch klingen. «Bloß kein falsches Pathos!», scheint die Devise dieses so sportiv agierenden wie kurzatmig denkenden Dirigenten zu sein, an die er sich auch in den kommenden viereinviertel Stunden fast sklavisch halten wird.
Da ist nur ein kleines Problem: Shokhakimovs Musizierhaltung steht letztlich diametral zu den Intentionen des Regisseurs. Florent Siaud will partout die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Jürgen Otten
Am Ende kratzte man sich den Kopf. Sicher, das kann bei Uraufführungen schon mal vorkommen. Aber es ist doch eine Seltenheit, dass immer auch das Gegenteil dessen zumindest nicht ganz falsch ist, was man zugunsten einer Aufführung sagen oder als Kritik an ihr einwenden möchte. Dieser Abend war gute drei Stunden lang lähmend und erfrischend, locker und verkrampft,...
Vor acht Jahren ging die erste Ausgabe des Opera Forward Festivals in Amsterdam an den Start. Die Welt war noch eine andere, damals sorgte man sich «nur» um einen Rechtsruck in der Politik und wählte für dieses Format bewusst einen Titel, der abgekürzt «OFF» lautet – Verweis auf die freie Szene, die man so ermuntern und einbeziehen wollte. Das ans Amsterdamer...
Die Hoffnung stirbt nie. Selbst im Angesicht des nahenden Todes nicht. Hören kann man es in Leonoras Doppel-Arie zu Beginn des siebten Bildes von Verdis «Il trovatore». Schwebt das Unheil im schwermütigen f-moll-Adagio «D’amor sull’ali rosee» (Auf den rosigen Flügeln der Liebe) noch wie ein Damoklesschwert über der schicksalsträchtigen Beziehung der jungen Frau zu...
