Es war einmal ...

Wagner: Lohengrin an der Oper Straßburg

Opernwelt - Logo

Auf der Milchstraße, nachts um halb eins, kann man ihn sehen. Jedoch nicht in Reinkultur erscheint der stolze Schwan dort droben. Sondern als Sternbild im Sommerhimmel. Jeder Irrtum ist ausgeschlossen: Seine Linien sind, so man das richtige Teleskop zur Verfügung hat, klar erkennbar. Elsa von Brabant und ihr liebend-geliebter (von einer ebenso wie er in unschuldiges Weiß gewandeten Gruppe junger Menschen umgebener) Bruder Gottfried benötigen derlei technische Hilfe eigentlich gar nicht, um sich verzaubern zu lassen. Der Schwan ist auch so deutlich genug zu sehen.

Und auch als symbolisches «Sternzeichen» passt das sehr gut zu den ätherischen A-Dur-Klängen des Vorspiels, die bei GMD Aziz Shokhakimov und seinem Orchestre philharmonique de Strasbourg selbst in den geteilten Violinen allerdings nicht gar so ätherisch klingen. «Bloß kein falsches Pathos!», scheint die Devise dieses so sportiv agierenden wie kurzatmig denkenden Dirigenten zu sein, an die er sich auch in den kommenden viereinviertel Stunden fast sklavisch halten wird.

Da ist nur ein kleines Problem: Shokhakimovs Musizierhaltung steht letztlich diametral zu den Intentionen des Regisseurs. Florent Siaud will partout die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Böhmen liegt am Meer

Was habe ich nur verbrochen, dass ich so viel leiden muss!» Dieser Stoßseufzer Smetanas, bei deutschen Theaterbesuchern längst ein geflügeltes Wort, ist in tschechischen Opernhäusern undenkbar. Prag, Olmütz und Brünn, Pilsen und Aussig inszenieren publikumsfreundlich, die Dramaturgie wird den Stücken gerecht, Bühne und Kostüme ergeben Sinn und bereiten sogar...

Ein kleines Wunder

Rodion Schtschedrins erstes Bühnenwerk «Nicht nur Liebe» markierte 1961, zu Zeiten der relativen Entspannung durch Chruschtschows Politik, eine bedeutende Wende in der sowjetischen Oper. Das stilistisch innovative Werk, ein postmodernistisches Zusammenspiel aus verschärfter Rhythmik à la Strawinsky und vertiefter Dramatisierung à la Mussorgski, zog sofort große...

Paartanz der Freiheit

Ein Sänger und eine Sängerin auf der Bühne und mit ihnen ihre Stimme. Sonst nichts. Keine Dirigentin (oder Dirigent), kein Orchester, keine Kolleginnen oder Kollegen, kein Chor, keine Statisterie – nichts. Das ist die Grundanlage der Kammeroper «Liebesgesang», die im Mai 2024 an der Oper Bern ihre Uraufführung feiern wird. Die Musik stammt vom österreichischen...