Ein Klangkörper, aus Einzelstimmen
Komödien wollen die einen, Tragödien die anderen, und eine weitere Riege singt flehend die lyrischen Gefühlsströme herbei. In Sergej Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» geht es kunterbunt zu. Neben einem verwirrend personenreichen Solistenensemble spaltet sich auch der Chor in mehrere «feindliche» Fraktionen auf.
Nicht nur, dass die Choristen hier für alle sichtbar als «Volk» agieren; sie sind zugleich Vertreter des Publikums, das die Stationen der Handlung temperamentvoll kommentiert und nach Kräften zu steuern versucht, wie es das witzig-selbstreferenzielle Sujet des (wichtige Theatermotive der Moderne vorwegnehmenden) barocken Stückeschreibers Carlo Gozzi und der Komponist verlangen.
Diese Art von Musiktheater bietet also lohnende Aufgaben für einen Chor, der nicht nur singen, sondern auch spielen will. Gerade das Richtige für den Mannheimer Opernchor, der sich mit wunderbarer Sicherheit in die flinke, turbulente Inszenierung von Cordula Däuper einfügt. Wendigkeit und Beweglichkeit sind gefragt. Die Sängerinnen und Sänger begnügen sich nicht damit, als klingende Wand an der Rampe oder im Hintergrund zu stehen. Jedes Glied der Gruppe übernimmt individuell Verantwortung, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 122
von Hans-Klaus Jungheinrich
In Tolochenaz am Genfer See, zwei Auto-Minuten außerhalb von Morges, bewohnen Nicolai Gedda und seine Frau Aino das direkte Nachbargrundstück von Audrey Hepburn. Er selbst zog 1968 hierher, die (1993 verstorbene) Schauspielerin einige Jahre zuvor. «Das Tor wird offen stehen», hatte Gedda uns auf den Anrufbeantworter gesprochen. Als das Taxi erscheint, sind alle...
Herr Bachler, stimmt es eigentlich, dass Sie in München mal als Kellner gearbeitet haben?
Ja, als Student einen ganzen Sommer lang. In einem Café am Odeonsplatz. Das muss so Anfang der Siebzigerjahre gewesen sein.
Und da konnten Sie zum ersten Mal beobachten, wie die Münchner ticken?
Vor allem habe ich damals zum Theater gefunden. Durch den «Sommernachtstraum» von...
Er schmerzt, der kariöse Zahn des chinesischen Jungen, der in der Küche des «Goldenen Drachen» aushilft – und der nicht mehr weiß, was er tun soll, um sein Leid zu lindern. Der junge Mann ist auf der Suche nach seiner im Westen verschwundenen Schwester in diesem «Thai-China-Vietnam-Schnell-Restaurant» gestrandet, und weil er sich illegal im Land aufhält, ist eine...
