Ein Kind ihrer Zeit

Wie sie sang, wer sie war, was andere in ihr sahen, was sie unsterblich machte. Ein Porträt der vermutlich größten Sängerin aller Zeiten

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Wie wohl ihr Social-Media-Account heißen würde? «@LaDivina» oder «@Mariacallas»? Oder einfach nur «@Maria»? Und wer würde ihn betreuen? Das Management, die Plattenfirma, sie selbst? Womöglich gäbe es die neuesten Roben zu sehen, Schnappschüsse von den Proben, gestellte Aufführungsfotos oder Privates mit dem aktuellen Lebensabschnittsgefährten, manchmal auch kleine Videos. Doch stopp: Spätestens in diesem Augenblick dürfte nicht nur der Hardcore-Fan abwinken. Denn letztlich wäre das alles unvorstellbar, vielleicht auch unwürdig aus Sicht der Callas, überflüssig, stillos.

Eine Klaviatur der Öffentlichkeitswirksamkeit, auf der sie es nicht nötig gehabt hätte zu spielen. Oder etwa doch?

Ein Gedankenexperiment jedenfalls, vor dem insbesondere Historiker Abscheu empfinden. «Was wäre, wenn?» – es ist die verbotene Frage. Kein Mensch kann sie auch nur halbwegs und mit überprüfbarer Substanz beantworten. Das Experiment zielt aber weniger auf einen objektiven Beweis. Es geht vielmehr um den Kontrast, um den Vergleich. Um die Vergegenwärtigung einer Karriere, die tatsächlich, wenigstens dies sollte als gesichert gelten, wie keine zweite war. Eine solche Laufbahn, genau darum geht es, war und ...

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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: La divina, Seite 89
von Markus Thiel

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