Wege zur Kunst
Ein ahnungsloser Reisender wäre vermutlich nachhaltig irritiert, käme er an einem milden Herbstnachmittag am Frankfurter Hauptbahnhof an und würde seinen Weg zu Fuß durch das Bahnhofsviertel in Richtung Willy-Brandt-Platz antreten. Der Pfad zur Kunst, er ist steinig und für zarte Gemüter nicht eben angenehm.
Seit einigen Jahren wächst die Armut und damit auch die Kriminalität gerade in diesem Viertel und steigt auch der Drogenkonsum wieder auf jene Höhe, die Ende der 1980er- und bis Mitte der 1990er-Jahre dazu führte, dass rund 2000 Junkies das Straßenbild bestimmten und sich spätestens mit Beginn der Dunkelheit bei vielen Beteiligten ein Unwohlsein einstellte. Erst mit dem Amtsantritt von Petra Roth änderte sich die Lage. Die resolute CDU-Politikerin sorgte dafür, dass in den Straßen zwischen Kaisersack und Taunusanlage wieder eine anregte «Normalität» herrschte, die der multikulturellen, -ethnischen und -sozialen Vielfalt des Viertels dennoch keinen Abbruch tat. Die Gegensätze – hier Hochfinanz, dort Niedriglohnsektor – blieben bestehen. Und mittendrin gab es da nach wie vor diese wunderbare Glasfront, hinter der die Städtischen Bühnen Frankfurt residierten. Ein Wimmelbild der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 6
von Jürgen Otten
Erinnern wir uns: Es ist kurz nach zehn am Abend, und noch einmal tönt da an diesem trüben Februartag 2018 des Hirten todestraurig klagende Weise, da raunt der getreue Kurwenal seinem der Welt eigentlich schon längst abhanden gekommenen Tristan zu: «Noch ist kein Schiff zu seh’n!» Wird die ihren Geliebten erlösende Isolde je zurückkehren? Wenn ja, dann sicherlich...
61 Jahre können eine halbe Ewigkeit sein, mitunter reichen sie für ein ganzes Leben oder sogar für zwei, das Schicksal, der Zufall oder der (liebe?) Gott haben manchmal merkwürdige Pläne mit uns Menschenkindern. Diese Unwägbarkeit muss man sich kurz einmal vor Augen führen, wenn man auf jemanden stößt, der 61 Jahre lang mit größtmöglicher Hingabe derselben...
«Stephans ernste Begabung steht außer Frage.» Das schrieb der noch keine 21 Jahre alte Theodor Wiesengrund-Adorno (der sich erst im amerikanischen Exil als Theodor W. Adorno bezeichnete) im Mai 1924 über eine Aufführung von Rudi Stephans 1913 entstandener «Musik für Geige und Orchester». Doch empfand er den im Weltkrieg Gefallenen bereits als Zeuge einer...
