Ein einziges Als-ob

Giordano: Andrea Chénier in Moskau

Opernwelt - Logo

Was könnte für das Moskauer Publikum, das seit drei Jahren gezwungen ist, seine Emotionen in der Öffentlichkeit zu unterdrücken, besser sein als eine veristische Oper mit einem inbrünstigen Dichter im Mittelpunkt?

Auf der Bühne erscheint jedenfalls ein Andrea Chénier mit Leidenschaft und Nachdruck – Najmiddin Mavlyanov übertrifft sich in der Titelrolle von Giordanos Musikdrama selbst. Seine an Farben reiche, kraftvolle Stimme beherrscht eine Aufführung, die weder durch szenische Innovationen noch durch dirigentische Weisheit beeindruckt.

Mavlyanov präsentiert uns den Titelhelden als gleichermaßen feurig und leidenschaftlich, erhaben und leidend, dem Tod zugewandt wie in Wahnsinn verfallend. Insbesondere die hohen Töne haben eine ungeheure Strahlkraft. Es scheint, als befände sich dieser Sänger auf dem Zenit seiner vokalen Möglichkeiten. Aber auch schauspielerisch ist seine Darbietung außergewöhnlich.

Mavlyanov trifft an diesem Abend auf würdige Partner: Evgeny Kachurovsky verleiht seinem Roucher jene elegante Noblesse, die sofort für sich einnimmt und die Figur bemerkenswert scharf konturiert. Auch Gabriel De-Rél mit seinem kraftvollen Bass und düsterer Geschäftigkeit (Mathieu) ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Alexej Parin

Weitere Beiträge
TV, Streams, Kino 5/25

arte
04.05. – 17.40 Uhr Anne-Sophie Mutter spielt John Williams
Für die Ausnahmegeigerin hat der US-Amerikaner John Williams ein viersätziges Violinkonzert geschrieben. Die Weltpremiere fand im Sommer 2021 beim berühmten Tanglewood Festival in Massachusetts statt.

04.05. – 23.55 Uhr Die Zukunft der Musik
Kann eine Künstliche Intelligenz Musik mit Seele spielen?...

Der sanfte Riese

Von dem französischen Maler und Graphiker Pierre Soulages ist ein Satz überliefert, der in knapp-konzisen Worten das Selbstverständnis eines Künstlers beschreibt: «Es ist das, was ich mache, was mich lehrt, wonach ich suche.» Auch für Pascal Dusapin besitzt diese sublime Sentenz Gültigkeit; kaum zufällig stellte er sie seinem Essay «Das Empfindsame komponieren»...

Unnachahmlich und monumental

Wenn es unter Sängerinnen und Sängern ein Genie geben kann (eine grundsätzlich nicht ganz passend erscheinende Verknüpfung), dann kann ich nur Dietrich Fischer-Dieskau nennen. Der Begriff ist momentan nicht en vogue, und doch vermag er bündig einen Menschen zu beschreiben, der etwas fortan Unentbehrliches geschaffen hat, das es zuvor so nicht gab, in bislang...