Ein Bild zerfällt

Kaiserslautern, Janácek: Die Sache Makropulos

Opernwelt - Logo

In Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray» lässt sich der Titelheld in seiner Jugend von einem berühmten Maler porträtieren, um wenigstens auf dem Bild etwas von seiner Schönheit zu bewahren. Vorsorglich verhängt er das Gemälde, um nicht jeden Tag die wachsende Differenz zwischen Abbild und persönlicher Realität feststellen zu müssen.

Bekanntlich geht die Geschichte so aus, dass Dorian Gray in der Wirklichkeit bis ins hohe Alter unverändert der strahlende Jüngling bleibt, obwohl er ein liederliches Leben führt, während sich hinter dem Vorhang der Alterungsprozess auf dem Porträt abzeichnet. Der Anblick ist tödlich. Der Diener findet den toten Gray als hässlichen Greis, während das Bild nunmehr wieder in alter Herrlichkeit leuchtet.
In der Kaiserslauterner Aufführung von Leos Janáceks «Die Sache Makropulos» entwickelt die Regisseurin Mareike Zimmermann eine vergleichbare «optische» Dramaturgie. Sie führt ein stummes Double für die Figur der Emilia Marty ein, kleinwüchsiger, faltiger, graugesichtiger, in der gleichen Kleidung. Geraldine Navarro spielt diese stumme Emilia mit einer wunderbaren, leisen Präsenz: eine Botin aus dem Schattenreich, in das die lebende Emilia bald ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2007
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tragisches Feuerwerk

Erst Missionar in Siam, dann Offizier bei den Musketieren und schließlich Leiter der königlichen Kapelle am Hofe Ludwigs XV. – das Leben des französischen Barockkomponisten André Cardinal Destouches ist eigentlich aus dem Stoff, aus dem das legendenhungrige 19. Jahrhundert seine Künstlerromane zu schneidern pflegte. Doch der 1672 als Sohn eines wohlhabenden...

Macht des Unbewussten

Von Beginn an ist die Tragödie unausweichlich. Die Doubles von Luisa und Rodolfo liegen bereits tot am Boden. Der schwarz gewandete Chor: eine Trauergemeinde an einem imaginären offenen Grab. Am Ende fast dasselbe Bild, nur dass jetzt die vergiftete junge Frau ihr nahes Ende antizipiert, sich selbst die ­Augen schließt und ihrem Double die Arme über der Brust...

Macht, Liebe, Eifersucht

Ein täglicher Blick in die Zeitung bringt es an den Tag: Macht, Liebe und Eifersucht sind die Triebkräfte, die die Menschheit in Atem halten. Was Wunder, dass sie seit jeher auch die Künstler umtreiben, von den Epen Homers über die mittelalterlichen Ritter­romane bis hin zur Fantasy-Literatur unserer Tage. Oper und Kino machen keine Ausnahme. Im Gegenteil, beide...