Ein Bild zerfällt
In Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray» lässt sich der Titelheld in seiner Jugend von einem berühmten Maler porträtieren, um wenigstens auf dem Bild etwas von seiner Schönheit zu bewahren. Vorsorglich verhängt er das Gemälde, um nicht jeden Tag die wachsende Differenz zwischen Abbild und persönlicher Realität feststellen zu müssen.
Bekanntlich geht die Geschichte so aus, dass Dorian Gray in der Wirklichkeit bis ins hohe Alter unverändert der strahlende Jüngling bleibt, obwohl er ein liederliches Leben führt, während sich hinter dem Vorhang der Alterungsprozess auf dem Porträt abzeichnet. Der Anblick ist tödlich. Der Diener findet den toten Gray als hässlichen Greis, während das Bild nunmehr wieder in alter Herrlichkeit leuchtet.
In der Kaiserslauterner Aufführung von Leos Janáceks «Die Sache Makropulos» entwickelt die Regisseurin Mareike Zimmermann eine vergleichbare «optische» Dramaturgie. Sie führt ein stummes Double für die Figur der Emilia Marty ein, kleinwüchsiger, faltiger, graugesichtiger, in der gleichen Kleidung. Geraldine Navarro spielt diese stumme Emilia mit einer wunderbaren, leisen Präsenz: eine Botin aus dem Schattenreich, in das die lebende Emilia bald ...
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Mehr Musiktheater gibt’s auch an manch großem Opernhaus nicht. Zumindest, was das Angebot von (Ko-)Produktionen oder komplett eingekauften Abenden betrifft. Acht sind es derer an der Zahl, mit denen das Festspielhaus Baden-Baden in der Spielzeit 2007/08 aufwartet: sieben Opern (darunter dreimal Wagner und eine konzertante «Sonnambula» mit Cecilia Bartoli und...
Händels erstes Oratorium, Anfang 1707 während seines Italienaufenthaltes entstanden, hat in jüngster Zeit einige szenische Umsetzungen erfahren, obwohl der Text des Kardinals Benedetto Pamphili keinerlei theatralische Situationen enthält. Es handelt sich vielmehr um einen theologischen Traktat, der im Wortwechsel auf vier allegorische Figuren verteilt ist: Die...
Monteverdi gehört zu den Komponisten, denen sich René Jacobs immer wieder von Neuem stellt. Sein CD-Zyklus der Opern bei Harmonia Mundi France gehört nach wie vor zu den Referenzaufnahmen. «Orfeo» wurde bereits 1993 bei den Salzburger Festspielen mitgeschnitten. Fünf Jahre später hat Jacobs das Werk am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel in Zusammenarbeit mit...
