Ein Achselzucken für den Tod
Am ersten Novembertag ist es bitter kalt in Kopenhagen. Ein Eisregen bläst schneidende Winterluft durch die Straßen, richtig hell wird es ohnehin nur noch für ein paar Stunden. Auf dem Rathausplatz schrauben Arbeiter die Bühne für die Verleihung der MTV-Awards am nächsten Abend zurecht. Schon jetzt ist die Stadt zum Bersten gefüllt mit blasshäutigen Teenagern, die aus dem ganzen Land angereist sind. Eigentlich hat sich in Dänemarks Hauptstadt seit den Tagen Carl Nielsens gar nicht so viel verändert.
Die jungen Dänen dürften vor hundert Jahren der Eröffnung der Karnevalssaison genauso sehnsüchtig entgegengefiebert haben wie ihre Urenkel jetzt dem Pop-Spektakel, und damals wie heute dürften bei diesen Festivitäten zahllose mehr oder weniger dauerhafte Zweierbeziehungen geknüpft worden sein. Womit man schon mitten drin ist in «Maskarade», Dänemarks im Ausland bis heute nicht so recht gewürdigter Nationaloper.
Vermutlich muss man tatsächlich diesen unendlich scheinenden skandinavischen Winter kennen, um zu verstehen, dass Nielsens Oper mehr ist als ein gemütliches, etwas angestaubtes Lustspiel über Liebschaften auf einem Kostümfest. Um zu spüren, dass es hier um Grundsätzlicheres ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn es stimmt, dass hinter jedem kreativen Kopf das pralle Leben steht, dann ist der Stilpluralismus des Komponisten Osvaldo Golijov wohl vor allem das Ergebnis einer Vita am Schnittpunkt zahlreicher verschiedener Kulturen. 1960 als Kind jüdischer Einwanderer aus Osteuropa in Argentinien geboren, verbrachte Golijov einige Jahre in Israel, um – nach einem...
Andreas Homokis Komische Oper Berlin gibt sich konsequent realistisch: Eugen Onegin als Jungschnösel der Generation Golf, Mozarts Serail als Metropolen-Bordell, Mahagonny als Ballermann-Disco, Sarastros Feuer-/Wasserprobe als Jungle Camp... In seinen Grundsätzen, reale Menschen und Erfahrungen in den Mittelpunkt zu stellen, beruft sich das seit drei Jahren neu...
Emmanuel Chabrier (1841-1894) ist dem Musikfreund durch die mitreißende Orchestervignette «España» und die leidlich lustige «Tristan»-Quadrille geläufig. Seine drei Jahre vor Offenbachs Tod in dessen Bouffes Parisiens uraufgeführte Opéra-bouffe «L’Étoile» (Der Stern) blieb ewiger Geheimtipp: weit über Offenbach gestellt von Debussy, 1941 ausgegraben von Desormière...
