Eigentum ist Diebstahl
Die beiden Vivaldi-Opern, die im Juni in Venedig und Paris aufgeführt wurden, spiegeln in ihren Inszenierungen zwei ganz unterschiedliche Arten, wie Barockoper heute gezeigt werden kann: modernisiert oder eher klassisch. Welcher Ansatz trifft besser? Antonio Vivaldi jedenfalls schrieb seine Dramme in musica mit einer gewissen Lässigkeit. Es war nicht ungewöhnlich, dass er Arien aus eigenen Opern, aber auch aus Werken anderer Komponisten wiederverwertete ohne die Angst, als Plagiator dazustehen.
Das Verhältnis zum geistigen Eigentum war damals deutlich entspannter als heute. In der Barockoper gab es derweil eine strikte Trennung zwischen der Erzählung der Ereignisse (sie wurde den Rezitativen anvertraut) und den Arien (sie blätterten sich durch den Gefühlskatalog der verschiedenen Figuren). Vivaldis «Bajazet», 1735 in Verona uraufgeführt, somit ein Werk aus der reifsten Schaffensphase des Venezianers, ist ein typisches Pasticcio; es gibt so gut wie keine eigens dafür komponierten Arien, fast das gesamte Material ist qua Parodieverfahren entliehen. Mit augenzwinkernder Ironie wählte Vivaldi für seine «guten» Gestalten Bajazet, Asteria und Idaspe Arien aus eigenen Opern (darunter ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Stefano Nardelli
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