Editorial Opernwelt 3/24
Etwa die Hälfte der Opernhäuser weltweit steht in Deutschland. Würde man davon wiederum die Hälfte schließen, könnten Länder und Kommunen sicher ein paar Lücken in ihren chronisch überlasteten Etats stopfen. Auch bei einem Verzicht auf die Hälfte der 129 deutschen Berufsorchester wäre die kulturelle Grundversorgung noch nicht wirklich gefährdet. Ein ordentlicher Shuttleservice von Stadt zu Städtchen hier, ein paar mehr Streaming-Angebote da, dann geht das schon. Zu radikal? Zu forsch? Anscheinend nicht für den bayerischen Ministerpräsidenten.
Die Landesrundfunkanstalten, meinte Markus Söder kürzlich in Anlehnung an eine «Anregung», die der damalige ARD-Vorsitzende Tom Buhrow schon 2022 ins Spiel gebracht hatte, könnten problemlos auf 50 Prozent ihrer hauseigenen Klangkörper verzichten. «Die Qualität der Kultur wird da genauso stark sein», ist Söder überzeugt. Sozusagen als Vorschlag zur Güte, warum der Rundfunkbeitrag doch nicht steigen muss. Schließlich ist der umstritten, weil sich Teile der Bevölkerung in den Programmen der Rundfunkanstalten nicht abgebildet sehen. Fragt sich nur, warum Söder über Musik redet, wenn er Politik-Redaktionen meint. Vielleicht, weil sich hier mit ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Michael Stallknecht
Das Vorwort ist ein Gedicht. Kraftvoll, wortmächtig, poetisch aufgeladen. Geschrieben hat es ein Mitstreiter aus guten, alten Zeiten, der (hochbegabte) Schauspieler und (nicht ganz so begabte) Regisseur Sven-Eric Bechtolf. Und mag er Jürgen Flimm, diesem großen, am 4. Februar 2023 verstorbenen (Musik-)Theatermann, auch einen schmucken Lorbeerkranz ums Haupt winden,...
Ist die Operette noch zu retten? Diese nicht. Jedenfalls nicht, wenn man es wie in Chemnitz macht. Dann bleibt von Eduard Künnekes amüsant-geistvoller Konversationskomödie größtenteils nur Klimbim übrig, irgendwo angesiedelt zwischen Musical und Varieté, überwölbt von einer Erzählung, die ihre eigene Botschaft durch komisch gemeinten Trubel permanent negiert.
Künne...
Schenkt man sich Rosen in Tirol», «Ich bin die Christel von der Post», «Wie mein Ahnl zwanzig Jahr»: Die Dichte an Wunschkonzertschlagern ist wohl in keiner Operette höher als in Carl Zellers «Vogelhändler». Am Münchner Gärtnerplatztheater kommt jetzt noch einer dazu, da, wo im Original der «Rheinwalzer» lauert: «Du, mein Bayernland, bist so schön». Regisseur Bernd...
