Editorial Opernwelt 12/24
Das glamourös-glitzernde Glück währt genau 18 Minuten. Und das seit 1963, einmal pro Jahr, an Silvester, auf etlichen Kanälen der real noch existierenden öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, stets und wie gewohnt zur besten Sendezeit.
«Dinner for one» ist vielleicht der witzigste Sketch aller Zeiten (ersonnen hat ihn natürlich kein Deutscher, sondern ein Brite, der smarte Lauri Wylie), und das liegt vor allem an Freddie Frinton in der Rolle des unüberbietbar narrenhaften Butlers James (wie sollt’ er auch anders heißen) und der unvergleichlich stoischen May Ward als seine «Herrin» Miss Sophie. Sie beide bilden das brillante Gespann einer Komik von nachgerade Bergson’scher Dialektik. Gipfelpunkte ihrer lakonisch-süffisanten Kommunikation sind jene Momente, in denen James Dame Sophie, vom Alkohol zunehmend vernebelt, fragt: «The same procedure as last year, Miss Sophie?», und sie ihm mit gespielt-maliziöser Strenge antwortet: «The same procedure as every year, James.»
Blickt man in die Herbstspielpläne deutschsprachiger Opernhäuser, speziell im nebligen Monat November, fällt einem dieser Satz, wenngleich mit einer veränderten Konnotation, unweigerlich wieder ein: The same ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Richard Strauss’ zehnte Oper gilt weithin als «Rosenkavalier zweiter Klasse». Das ist als Urteil über die Dramaturgie nachvollziehbar, denn der 1929 verstorbene Textdichter Hugo von Hofmannsthal hatte sein Libretto nicht mehr überarbeiten können. Die Uraufführung folgte erst 1933 in Dresden, fünf Monate nach der Machtübernahme Hitlers und seiner Terror-Bande. Aber...
Ob Größe S oder XL, ob 54 oder sogar 59, das ist hier egal. Diese Hüte passen allen, das Metall ist ja schön schmiegsam. Bevor man also den Martini-Park betritt, muss man draußen an der Aluhut-Station vorbei. «Anfertigung nach Maß», verspricht ein Plakat und: «Weil Sie es uns wert sind». Manche tragen die Kopfbedeckung tatsächlich in der Premiere, schließlich...
Die Geschichte kommt uns irgendwie bekannt vor: hier ein starker, unbeugsamer, bedingungslos liebender Mann mit einem Schwert, das ihn aber vor der Unbill der Welt nicht gänzlich zu schützen vermag; dort eine starke, unbeugsame, liebende Frau, die ebenjenes Schwert, nachdem es mutwillig zerbrochen wurde und der Auserwählte von einer Horde wilder Gesellen (es sind...
