Der Schrei nach Freiheit
Entsetzlich! Scheußlich! Fluchenswert!» Das geladene Publikum stiebt auseinander, der Eklat beim noblen Sängerkrieg ist perfekt. Elisabeth ist zudem ganz außer sich, ringt nach Contenance, will wie die anderen Damen nur noch weg von hier, ist persönlich tief verletzt durch Tannhäuser, den sie liebt.
Der hat sich nach längerer Abwesenheit gleich beim erstbesten Zeitpunkt als irrer Partycrasher entpuppt, der nicht nur ein anrüchiges Loblied auf Venus singt, sondern sich nach allen Regeln der Kunst danebenbenimmt: Einen Kellner hat er zum Spaß sexuell bedrängt, der Sängerkrieg-Harfenistin schließlich das Abendkleid heruntergerissen und ihren Busen entblößt. Elisabeth hat die ersten Treppenstufen hinaus aus der Halle schon genommen, doch da alle auf Tannhäuser losgehen, bricht es aus ihr hervor: «Haltet ein!» Erica Eloff mischt ihrem leuchtenden hohen H jene Prise Schmerz bei, die den Wohllaut nicht mindert, die Expression aber genau trifft. Im nächsten Moment schlägt sie mit weit aufgerissenen Augen die Hand vor den Mund, aus Angst vor der eigenen Courage. Doch dann wird sie zur Anwältin des unbeherrschten, psychisch derangiert wirkenden Tannhäuser.
Erica Eloffs Elisabeth ist die ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Walter Weidringer
Das kann nicht wahr sein: Da findet am Landestheater Eisenach eine Opernpremiere statt, und der Zuschauerraum ist nicht einmal zu einem Drittel gefüllt. 147 Menschen verlieren sich in einem Raum, der 500 Besuchern Platz bieten möchte. Gezeigt wird das Erfolgsstück «Madama Butterfly», es spielt die traditionsreiche Meininger Hofkapelle, allerdings ein wenig...
Man sieht es und staunt. Nell kann gehen. Zumindest am Anfang dieses Abends, der vom Ende erzählt und wie man sich darauf vorbereitet, wie man die Stufen vom Sein zum Nichts herabschwebt, ohne schwindelig zu werden. In Frack und weißem Hemd tritt also die Frau, die im Stück nach einem Unfall keine Beine mehr hat, vor den Vorhang, lächelt ins Publikum und singt mit...
Die Dämonen sind da. Oben und unten. Oben, von den Rängen, erschallen aus verborgenen Lautsprechern die (sechs) Stimmen derjenigen, deren einziges Ziel es ist, wilde Spekulationen zu verbreiten, und ihn, den Virtuosen, an den Pranger zu stellen. Unten, aus den Lamellen zur Linken wie zur Rechten sowie von der Hinterbühne, fliegen Tänzerinnen und Tänzer als seine...
